Mo., 13.02.12

Kommentar zum Bologna-Prozess Halbherzigkeiten in schönen Worten

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

Artikel vom 30.04.2009

Bologna bietet den Hochschulen Chancen, sich zu profilileren. Bologna kommt gut voran. Bologna bietet Studenten Flexibilität. Das ist die offizielle Version der Reform der europäischen Hochschulen. Doch die Realität sieht anders aus.

Bei dem eitlen Sonnenschein, den die europäischen Bildungsminister im belgischen Leuven verstrahlten, fragen sich wohl viele Studenten und Hochschullehrer, ob sie auf dem falschen Planeten oder in einer Parallelwelt leben.

Die leise Kritik, dass an einigen Stellen noch nachgebessert werden müsse, ging bei der Konferenz offenbar gänzlich unter. Stattdessen suhlte man sich in Belgien in schönen Worten und versuchte abgelaufene Pflaster auf die Wunde zu kleben.

Warum abgelaufene Pflaster? Ganz einfach: Bis heute werden in vielen europäischen Ländern Bildungsleistungen nicht anerkannt, die nicht innerhalb der eigenen Staatengrenzen erreicht wurden. Bestes Beispiel sind die unzähligen osteuropäischen Mediziner, die sich in Deutschland in Putzkolonnen verdingen, weil ihr Abschlüsse hierzulande nichts gelten. Die Projekte, sie stattdessen zu qualifizieren – und so auch dem deutschen Ärztemangel zu begegnen –, existieren bestenfalls sporadisch.

Doch wenn das schon nicht funktioniert, warum sollte ein Student dann überhaupt Zeit im Ausland verbringen, mobil sein, wie es die Bologna-Reformer fordern? Noch dazu, wo diese europaweite Aufforderung, sich über den Tellerrand zu bewegen, eine nicht außer Acht zu lassende finanzielle Dimension hat. Klar kann man Stipendien beantragen, oder Bafög. Das heißt aber nicht, dass sie auch gewährt werden. Und es heißt auch nicht, dass Kosten für Flüge, Unterkunft und Verpflegung – die in den europäischen Staaten oft extrem unterschiedlich ausfallen – sich dann bezahlen lassen.

Das alles wissen die Reformer - unbestritten. Sie haben nur ein Problem: Sie glauben, dass sich daran etwas ändert, wenn sie sagen, dass nach Lösungen gesucht werden müsse. Das aber wird es nicht. Weil in Leuven überhaupt nicht festgelegt wurde, bis wann was zu tun ist und welche Kriterien erfüllt werden müssen. Geschweige denn, welche Instanz sich wie zu beteiligen hat. Das zu interpretieren, überlässt man anderen.

mik
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