Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
In letzter Zeit ist Bologna eher ein Schimpfwort als ein Inbegriff für südländische Geschichte und italienisches Lebensgefühl. Schuld daran sind die Bildungsminister zahlreicher Länder, die mit ihrer demonstrierten Einigkeit für Spaltung sorgen.
Wie soll es weitergehen mit der Bologna-Reform? Und vor allem: Was ist schon geschafft? Das sind Fragen, an denen die Bildungsminister aus 46 Ländern nicht vorbei kommen, die sich derzeit im belgischen Leuven treffen – zum fünften Mal, um sich über ihre Erfahrung mit dem Gemeinschaftsprojekt europäische Hochschulreform auszutauschen.
Doch auf die klaren Fragen finden sich international derzeit nur streitbare Antworten. Denn was 1999 dazu beitragen sollte, dass europäische Hochschulen international vergleichbarer werden und dass Studenten eine bessere Ausbildung bekommen, ist bisher mächtig daneben gegangen.
Statt Studenten mobiler werden zu lassen, schieben immer weniger einen Auslandsaufenthalt von einem oder zwei Semestern ein. Statt die Zahl der Studienabbrecher mit einem stärker berufsorientierten Studium zu senken, stiegen die Quoten von früher rund 20 Prozent inzwischen auf fast 40 Prozent bei den Bachelorstudenten. Hinzu kommt, dass die Leistungen, die seitens der Studenten innerhalb ihrer Studiengänge erbracht werden müssen, noch nicht einmal innerhalb eines Landes vergleichbar sind.
Die Kluft zwischen denen, die die Reform noch immer für zukunftsweisend halten und denen, die am liebsten die Reform reformieren würden, tritt ziemlich deutlich zutage: Sie öffnet sich zwischen Bildungspolitikern und denen, die tagtäglich mit den Auswirkungen der Reform zu leben haben.
In einem sind sich beide Seiten allerdings einig: Die Zeit vor Bologna will keiner zurück haben. Nur die Bedingungen müssen sich ändern. Und das fängt damit an, den Studenten wieder die Chance zu geben, über ihr Studium mitentscheiden zu können. Bislang sind sie gezwungen, im Rennpistentempo mit dem Gewicht eines vollgeladenen Schwerlasttransporters den Abschluss zu schaffen – und das auch noch mit Schulden im Nacken.
Wenn sich die Bildungsminister davor verschließen und die Zustände an den Hochschulen weiterhin in das Licht eines Erfolges verpacken, dann wird Europa doch noch zum Bildungsprimaten.
ruk