So heiß wie dieser war seit 1890 vermutlich noch kein April. Drei bis sechs Grad wärmer als normal sei der Monat bisher in Deutschland ausgefallen, haben Meteorologen des Wetterdienstes Meteomedia errechnet. Der April liegt im Trend: Wir stecken mitten im Klimawandel.
Hitzewellen in Frankfurt oder Berlin, Überschwemmung im Hamburger Hafen: Der Klimawandel stellt die deutschen Großstädte nach Ansicht des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vor immense Herausforderungen. «Der Klimazug rollt nicht nur, er fährt immer schneller», sagte DWD-Präsident Wolfgang Kusch in Berlin.
Der April 2009 sei wahrscheinlich der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1890. «Wenn die kommenden zwei Tage ausfallen wie erwartet, haben wir einen neuen Rekordmonat», sagte Kusch. Bisher galt der April 2007 als wärmster seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Damals lag die Durchschnittstemperatur um 4,2 Grad über dem langjährigen Mittel.
Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia wird der April diesmal drei bis sechs Grad wärmer als normal. Am wenigsten Abweichung gebe es an der Nordsee und im äußersten Westen. In der Mitte Deutschlands aber, also in Hessen, Niedersachsen, Thüringen, Sachsen und Brandenburg, könnte der Monat bis zu sechs Grad wärmer ausfallen als im langjährigen Mittel.
Fast hochsommerlich warm war es laut Meteomedia seit Mitte April in mehreren Orten: Am Ostersonntag (12. April) lag der Spitzenwert im südhessischen Bensheim bei 27,7 Grad. In Köln-Porz-Wahn wurden am 15. April 27,1 und in Bendorf am Mittelrhein 26,8 Grad erreicht. Am 27. April stiegen die Temperaturen im brandenburgischen Bestensee sogar auf 28,1 Grad.
Auch im Jahresdurchschnitt sind die Temperaturen nach DWD-Berechnungen zuletzt deutlich gestiegen. Über die vergangenen 120 Jahre lagen sie im Schnitt bei 8,3 Grad Celsius. «In den letzten 20 Jahren aber wurde dieser Mittelwert fast immer übertroffen», sagte Kusch. Auch das Jahr 2008 sei mit 9,5 Grad deutlich zu warm gewesen.
Die Minderung des Kohlendioxid-Ausstoßes kann den Klimawandel nach Meinung der Experten nicht mehr aufhalten. Daher müssten sich vor allem die Großstädte auf veränderte Bedingungen einstellen. «Stadtplaner müssen jetzt schon die künftigen Auswirkungen des Klimawandels berücksichtigen», forderte DWD-Statistiker Paul Becker.
Nach Berechnungen des Wetterdienstes wird es vor allem in dicht bebauten Städten wie Berlin und Frankfurt am Main immer mehr warme und heiße Tage geben. «Mitte des Jahrhunderts könnte in Frankfurt jeder sechste Tag im Jahr wärmer als 25 Grad Celsius sein», sagte Becker. Auch «Tropennächte» nähmen zu.
Im Hamburger Hafen drohen der Prognose zufolge Überschwemmungen, durch längere Hitzeperioden in vielen Städten auch gesundheitliche Schäden. Auf diese Gefahren müssten die Städte reagieren - etwa durch mehr Arkaden, schattenspendende Baumgruppen und viele kleine Grünflächen über die Stadt verteilt. Auch mit Alleen könne man auf die neuen Herausforderungen reagieren - und kühlere, saubere Luft aus dem Umland in die Städte leiten.
iwi/ruk