Fr., 25.05.12

Klimaziel 2-Grad-Grenze 29.04.2009 Wie eine übervolle Badewanne

Warm und Sonnig: April stellt Rekorde auf (Foto)
Mehr als zwei Grad wärmer darf es nicht werden in den nächsten 40 Jahren. Bild: dpa

Klingt nicht gerade nach Wohlfühltemperatur: Das Weltklima verkraftet nur noch eine begrenzte Menge Treibhausgase, um die schlimmsten Klimafolgen abzuwenden und das erklärte 2°C-Ziel der Staatengemeinschaft einhalten zu können.

Das Klima verkraftet nur noch eine klar begrenzte Menge Treibhausemissionen, um die schlimmsten Klimafolgen abzuwenden und das erklärte 2°C-Ziel der Weltgemeinschaft einhalten zu können. Bis 2050 muss der CO2-Ausstoß weltweit um die Hälfte verringert werden, zu diesem Ergebnis kommen zwei Studien im Fachjournal Nature.

Das von mehr als hundert Staaten weltweit angestrebte «2°C-Ziel» ist bislang nicht viel mehr als eine klimapolitische Absichtsbekundung. Seit einigen Jahren sprechen sich nationale Regierungen und internationale Gremien dafür aus, die globale Erwärmung bis 2050 auf weniger als zwei Grad Temperaturanstieg zu beschränken, gegenüber den Temperaturen zu vorindustrieller Zeit um 1900.

Doch wie schnell Treibhausgas-Emissionen gesenkt werden müssten, um dieses Ziel zu erreichen, darüber war man sich bisher uneinig. Die aktuellen Studien kombinierten zahlreiche Klimamodellierungen, um zu berechnen, unter welchen Umständen das 2°C-Ziel einzuhalten wäre - mit dem Ergebnis, dass zwischen 2000 und 2050 nur noch eine Billion Tonnen CO2 ausgestoßen werden können, um zumindest mit 75-prozentiger Sicherheit innerhalb des Zwei-Grad-Bereichs zu bleiben.

1000 Milliarden Tonnen hört sich zwar nach einer gigantisch großen Menge an, doch seit 2000 wurde bereits ein Drittel des berechneten Kontingents verbraucht. Außerdem zeigt die Studie der Forschergruppe um Malte Mainshausen vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK), dass die bekannten Reserven fossiler Brennstoffe wesentlich größer sind, als das Klimasystem bei deren Verbrennung überhaupt tolerieren kann.

Weniger als ein Viertel der nachgewiesenen Vorkommen fossiler Brennstoffe können bis zum Jahr 2050 noch verbrannt werden, wenn das 2°C-Ziel eingehalten werden soll. Somit ist die verbreitete Idee, dass Gas, Kohle und Öl noch vor der Klimaerwärmung ausgegangen sein könnten, effektiv widerlegt. «Wenn wir fossile Brennstoffe weiter so verbrauchen wie bisher, wird unser Kohlenstoff-Budget in nur zwanzig Jahren aufgebraucht sein - und die Erwärmung würde weit stärker ausfallen als zwei Grad», sagt Meinshausen, Klimaforscher am PIK und der Leitautor der Studie.

In der zweiten Studie zeigte ein Wissenschaftlerteam um den Physiker Myles Allen von der englischen Universität Oxford, dass es langfristig irrelevant ist, wann genau die Rohstoffe verbrannt werden. Das Verhalten von CO2 in der Atmosphäre lässt sich am besten mit einer gefüllten Badewanne vergleichen. Der Zufluss der Badewanne ist groß, der Abfluss aber klein. Die Emissionen nehmen jedes Jahr zu, während CO2 aber nur langsam wieder aus der Atmosphäre entfernt wird. Um die Badewanne nicht überlaufen zu lassen, muss also rechtzeitig der Hahn zugedreht werden.

Jede Tonne CO2 ist eine Tonne CO2, egal ob sie heute oder in zwanzig Jahren verbrannt werde, so das Fazit von Allens Studie. Malte Meinshausen fasst die Konsequenzen der Studie mit Blick auf die politischen Erfordernisse so zusammen: «Im Prinzip ist es die Summe aller Emissionen, auf die es ankommt. Praktisch bedeutet das, dass die globalen Emissionen bald gesenkt werden müssen, noch vor 2020. Je länger wir warten, umso wahrscheinlicher wird uns unser Weg auf gefährliches Terrain führen».

aro
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