Schweinegrippe hat Potenzial für eine Pandemie
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Die Schweinegrippe hat Europa erreicht: In Spanien und Großbritannien wiesen Mediziner das mutierte Virus H1N1 bei insgesamt drei Mexiko-Reisenden nach. Nach Überzeugung von Experten wird sich die Schweinegrippe bald auch in Deutschland ausbreiten.
Den ersten Fall auf dem Kontinent bestätigte Spanien. Ein kürzlich aus Mexiko zurückgekehrter junger Mann habe sich infiziert, erklärte Gesundheitsministerin Trinidad Jimenez in Madrid. Die Behandlung schlage aber gut an, er sei nicht ernsthaft erkrankt.
Die EU riet indes von Reisen ab: «Die Menschen sollten Reisen nach Mexiko oder in die USA absagen, sofern sie nicht sehr dringlich sind», erklärte Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou. Touristen, die gegenwärtig vor Ort seien oder aus Mexiko zurückkehrten, sollten einen Arzt aufsuchen, empfahl sie in einer Videobotschaft. Die Gesundheitskommissarin will am Donnerstagnachmittag in Luxemburg mit den EU-Außenministern über mögliche Schutzvorkehrungen beraten.
In Mexiko stieg die Zahl der Grippetoten nach Angaben des Gesundheitsministeriums auf 103 - unklar ist, wie viele Menschen infiziert sind. Die US-Regierung rief den Gesundheits-Alarmzustand aus. Mindestens 20 Infektionen wurden offiziell bestätigt. Alle Patienten seien wieder genesen oder dabei, sich zu erholen, betonte das Weiße Haus. Es gebe keinen Grund zur Panik.
In Europa gibt es neben dem bestätigten Fall 17 Verdachtsfälle in Spanien und einen in Frankreich, weitere in Neuseeland (13), Kanada (6), Israel und Brasilien. Nach Überzeugung von Experten wird sich die Schweinegrippe bald auch in Deutschland ausbreiten.
Seit Mitte April erkrankten in Mexiko nach Angaben des Gesundheitsministeriums mehr als 1600 Menschen. Präsident Felipe Calderon ermächtigte die Gesundheitsbehörden, Grippekranke zu isolieren und deren Wohnungen zu inspizieren. Soldaten verteilten sechs Millionen Atemschutz-Masken. Die Weltbank sagte Kredite in Höhe von 225 Millionen Dollar zu. Die Gesundheitsbehörden in Hongkong erklärten, Wissenschaftler wollten einen Viren-Schnelltest entwickeln. Ergebnisse sollen künftig innerhalb von sechs Stunden vorliegen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigte sich besorgt und erklärte, die Grippe habe das «Potenzial für eine Pandemie», also einer die Kontinente übergreifende Ausbreitung. Noch könne aber nicht gesagt werden, ob es dazu komme. Der neue Grippeerreger weist genetische Merkmale des Schweins, von Vögeln und auch des Menschen auf - in einer Art, wie es die Forscher bislang noch nicht beobachtet haben. «Wir sind sehr, sehr besorgt», sagte WHO-Sprecher Thomas Abraham. «Wir haben es mit einem neuen Virus zu tun, und er verbreitet sich von Mensch zu Mensch.»
mat
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