Fr., 25.05.12

Volksentscheid 25.04.2009 Berlin und der Streit um Religion

DEU BB Religion Volksbegehren (Foto)
Die Initiative Pro Reli hat sich prominente Unterstützung geholt, um für ihr Vorhaben zu werben. Bild: ap

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

In Berlin wird am Sonntag darüber entschieden, ob in den Schulen Religionsunterricht aus dem Status eines freiwilligen Faches zu einem, dem Ethikunterricht gleichrangigen Fach aufsteigt. Das ist keine politische Frage mehr.

In einem Bürgerentscheid sollen sich 2,45 Millionen Berliner in dem Streit positionieren. Angefangen hat der Streit vor gut drei Jahren. Damals drückte der Senat Ethik als Pflichtfach für Schüler der siebten bis zehnten Klassen durch – gegen großen Protest der Kirchen. Seither kann Religion nur zusätzlich zum, aber nicht anstelle des Ethikunterrichts belegt werden.

Das will die Initiative «Pro Reli» ändern. Ihre Argumente: Zwangsethik sei ein Mangel an Tolerenz gegenüber anderen und behandele unterschiedliche Schüler gleich, statt ihre religiösen und kulturellen Identitäten wahrzunehmen. Zudem könne dieser Pflichtunterricht keine Grundüberzeugungen vermitteln, die jedoch wichtig seien, um Grundüberzeugungen anderer respektieren zu lernen.

Vor allem aber werfen die Vertreter der Initiative dem Berliner Ethikunterricht vor, Werte nicht neutral zu vermitteln. Denn in dieser Form mische sich der Staat in Fragen der Weltanschauung ein. Würden aber Religion und Ethik gleichrangig wählbar sein, so hätten die Schüler die Wahl, ob sie nun religiös oder glaubensneutralen Unterricht bevorzugten.

Das wirke sich nicht nur auf die Administration aus, die sehen muss, wie die Stundenpläne neu organisiert oder geeignete Lehrer gefunden werden. Auch Nachwirkungen auf die Bildung werden nicht ausbleiben: «Wenn Religion Wahlpflichtfach wird, müssen sich die Schüler, vermutlich auch unter dem Druck mancher Eltern, entscheiden. Das hätte aber den Effekt, den Kontakt zu Kindern mit anderen Weltanschauungen zu reduzieren und damit auch die Meinungsbildung, die gefördert wird, wenn Kinder mit unterschiedlichen Religionen untereinander moralisch und wertorientiert diskutieren», sagt Marianne Demmer, Leiterin des Vorstandsbereichs Schule bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Wenig Gegenliebe findet das Vorhaben auch beim Landesschülerrat Berlin: «Die Forderung, Religionsunterricht zum Pflichtfach zu machen, ist ein Rückschritt», stellt Lee Hilscher, Mitglied der Schülervertretung, klar. Das habe nichts mehr mit Demokratie zu tun und widerspreche einer Pädagogik des 21. Jahrhunderts. Das Anliegen, dass die Initiative verfolge, führe zu einer Trennung der Konfessionen und blockiere freies und offenes Nachdenken.

Doch die Entscheidung am Sonntag kann weiter reichende Folgen haben – gerade in einem Schmelztiegel wie Berlin, in dem Menschen mit vielen Religionen leben. «In den westlichen Bundesländern, in denen die evangelische und katholische Glaubensrichtung als Unterrichtsfach üblich ist, haben in der jüngeren Vergangenenheit immer wieder islamische Gemeinden stark auf einen eigenen Religionsunterricht gepocht», so Demmer. Stimmen die Berliner für das Fach Religion, sei nicht auszuschließen, dass jede Glaubensgemeinschaft mit einer gewissen Stärke ebenfalls eine entsprechende Forderung aufmache und sage, «Wenn die, warum nicht auch wir?».

Das Reden über verschiedene Weltanschauungen, über deren Herkunft und Inhalte gehöre durchaus in den Unterricht. «Das leistet der Religionsunterricht schon», betont die GEW-Vertreterin. «Wenn aber jemand ein bestimmtes Glaubensbekenntnis mit seinen Regeln und Pflichten vermittelt, dann passt das nicht zur Bildung, wie sie staatlich definiert wird.» Religion zu leben sei eine persönliche Angelegenheit. Es sei nicht die Aufgabe des Staates, dies vorzuleben und zu vermitteln.

Um das Anliegen der Initiative zu realisieren, müssten am Sonntag mindestens 610.000 gültige Stimmen für Religion als Pflichtfach abgegeben werden.

hav
Leserkommentare (3) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Kommentar 3
  • 01.07.2009 21:24
 

Man kann nur den Kopf schüteln was für ein Christliches Deutschland.Jeder Ausländer der hier in Deutschlan lebt sollte sich den Normen der Christlichen Ordung unterziehen oder wieder zurück in seine Heimat gehen.So macht es auch Australien. Das hat mit Ausländer feindlich nichts zu tun.Kann man im Osten auch soviele Kirchen bauen wie hier moschen entstehen?

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  • Kommentar 2
  • 26.04.2009 23:08
 

Ich finde, man sollte vielleicht sogar beides zum Pflichtfach machen. Denn eins ist Fakt: Im Religionsunterricht werden alle Weltreligionen vorgestellt. Die Schüler sind informiert, gebildet, können mitreden und einander besser verstehen. Das trägt zur allgemeinen Toleranz und ein friedliches Miteinander bei. Wissen macht tolerant.

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  • Kommentar 1
  • 25.04.2009 17:59
 

Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden. Das ist tolerant, demokratisch, fair. Wer gerne zu "Ethik" gehen will soll das in Zukunft immer noch dürfen. Wer aber Reli bevorzugt, soll Reli wählen dürfen. Das ist der Vorschlag von ProReli: Gleiches Recht für alle. Deshalb werde ich für ProReli stimmen.

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