Von Maria Hilt
In Deutschland gibt es mehr als 350 Ausbildungsberufe. Darunter den richtigen auszuwählen, fällt oft schwer. Doch es gibt gute Tipps, wie man sich am besten den passenden Job sucht.
So manches Kindergartenkind plant bereits eifrig eine Karriere als Feuerwehrmann, Tierarzt oder Prinzessin. Doch wenn gegen Ende der Schulzeit tatsächlich die Entscheidung ansteht, mit welchem Job man seinen Lebensunterhalt künftig verdienen möchte, macht sich oft erst einmal Ratlosigkeit breit. «Viele junge Leute sind sich unsicher, welchen Berufsweg sie einschlagen sollen. Manche denken, sie müssten erst einmal alle Berufe kennen, um sich zwischen ihnen entscheiden zu können», berichtet Barbara Knickrehm vom Deutschen Verband für Bildungs- und Berufsberatung.
Da dieses Vorhaben allerdings angesichts der schier unendlichen Auswahl an Berufsbildern zum Scheitern verurteilt ist, empfiehlt Knickrehm, mit der Entscheidungsfindung lieber an einer ganz anderen Stelle anzusetzen. «Es ist besser, sich am Anfang erst einmal von der Vielzahl der Angebote zu lösen und stattdessen während einer Selbstreflexionsphase seine eigenen Neigungen und Interessen herauszufinden«, sagt die Berufsberaterin aus Hannover.
Dabei sollten Jugendliche sich nicht nur an ihren schulischen Leistungen orientieren. «Gute Schulnoten sind zwar sicher ein Hinweis auf Stärken. Aber schlechte Schulnoten sollte man nicht grundsätzlich zum Anlass nehmen, ein bestimmtes Berufsziel zu verwerfen», sagt Knickrehm. Auch Qualifikationen, die man in seiner Freizeit oder bei Haushaltsaufgaben erworben hat, seien wichtig für das künftige Berufsprofil. Habe man beispielsweise im Fußballverein bereits Erfahrungen als Jugendgruppenleiter gesammelt oder sei man zu Hause immer derjenige, der kleine Reparaturen erledigt, könne dies Hinweise auf bestimmte Begabungen geben.
Falls man sich selbst schlecht einschätzen könne, sei es hilfreich, über einen gewissen Zeitraum ein Interessentagebuch zu führen: «Darin notiert man, welche Themen einen an diesem Tag besonders interessiert haben, was einem gut gelungen ist und was einem Spaß gemacht hat.» Um mehr über die eigenen Talente zu erfahren, kann man auch sein Umfeld aktivieren. «Man kann Freunde und Verwandte bitten, jeweils fünf hervorstehende Eigenschaften zu notieren, die ihnen zu einem selbst einfallen. Oft finden sich hier interessante Übereinstimmungen», sagt Knickrehm.
Um die Ergebnisse auszuwerten und Berufsfelder zu finden, die dazu passen, empfiehlt Knickrehm den Besuch bei einer Berufsberatung. «Im Gespräch mit dem Berater kann man seine Entdeckungen interpretieren und Gewichtungen feststellen, aber auch Realisierungschancen klären», sagt sie. Berufsberatungen gebe es bei der Agentur für Arbeit, aber auch bei spezifischen Organisationen, beispielsweise für Migranten oder für Frauen. Außerdem böten verschiedene private Unternehmen kostenpflichtige Berufsberatungen an. Bei den Agenturen für Arbeit könne man zudem auch die Eignung für ein bestimmtes Studienfeld oder die allgemeine Studierfähigkeit testen lassen.
Bevor man sich auf seinen Traumberuf festlegt, sollte man prüfen, ob man auch die nötige Begabungen und Schlüsselqualifikationen dafür mitbringt. «Wer Tierarzt werden möchte, weil er Tiere mag, sollte sich beispielsweise auch darüber im Klaren sein, dass er sich im Studium hauptsächlich mit naturwissenschaftlichen Fächern beschäftigen muss», sagt Angela Verse-Herrmann aus dem rheinland-pfälzischen Nackenheim. Die Autorin mehrerer Berufswahlratgeber weist darauf hin, dass ein einfaches Interesse an einem Thema meistens nicht ausreiche, um die Ausbildung und das spätere Berufsleben meistern zu können.
Während der Schulzeit erhält man meist nur in wenige Berufe einen richtigen Einblick. Da liegt es für viele nahe, denselben Beruf wie die Eltern zu wählen, weil man diesen bereits kennt. «Um sicherzugehen, dass dieser vermeintlich einfachste Weg auch der richtige ist, sollte man so eine Entscheidung aber sehr genau prüfen», rät Verse-Herrmann. Es sei wichtig, dass man auf jeden Fall auch noch andere Berufsbereiche in Betracht ziehe.
Hat man schließlich eine erste Richtung für sich gefunden, sollte man sich möglichst umfassend über dieses Berufsfeld informieren. «Am besten beginnt man bereits anderthalb Jahre vor dem Schulabschluss mit der Informationssuche», sagt Verse-Herrmann. Neben der Recherche im Internet und in Ratgeberbüchern sei es gut, sich auch mit Menschen auszutauschen, die den Wunschberuf bereits ausüben. Wer über Freunde und Verwandte keinen Kontakt zu solchen Branchenkennern herstellen könne, sollte sich nicht scheuen, einfach mal in einem Unternehmen anzurufen und nachzufragen: «Dabei kann man auch gleich ein kleines Praktikum für die Schulferien vereinbaren, bei dem man den Beruf noch besser kennenlernen kann.»
Häufig ergeben sich auch während der Ausbildungszeit noch Alternativen und man muss die eigene Zielsetzung noch einmal justieren. «Oft gibt es mehrere Optionen, was man mit einer Ausbildung anfangen kann. Gerade bei akademischen Ausbildungen hat man am Ende des Studiums oft die Möglichkeit, sich mit den erworbenen Qualifikationen noch einmal in eine ganz andere Richtung zu orientieren», sagt Verse-Herrmann. Doch grundsätzlich stelle die Ausbildung wichtige Weichen auf dem Weg ins Berufsleben.
ham/ruk