Von Stefan Höhle
Der mutmaßlicher Mörder von Margarethe Buckwitz hat die Tat vor Gericht abgestritten. Vor 20 Jahren, als der Mord verübt wurde, will der 57-jährige Busfahrer aber eine intime Beziehung zu der Witwe geführt haben. Sie war die Frau des Frankfurter Theaterintendanten Harry Buckwitz.
In einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung schilderte der Angeklagte beim heutigen Prozessauftakt in Frankfurt am Main seine Bekanntschaft mit der damals 74 Jahre alten Margarethe Buckwitz.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, im Juni 1989 die Frau in ihrer Königsteiner Wohnung zu Tode stranguliert und Schmuck im Wert von rund 50.000 Euro geraubt zu haben.
Im August 2008 war der Kraftfahrer als mutmaßlicher Mörder der Witwe Buckwitz festgenommen worden. Anlass waren DNA-Proben, die der Mann 2007 bei einem Verfahren wegen sexueller Nötigung abgegeben hatte und sich mit Tatortspuren des Mords an der Intendantenwitwe deckten.
Das belastende Genmaterial befand sich an einem zu einem Strick zusammengedrehten Leukoplastband, dem Mordwerkzeug, und an einem bei der Tat benutzten Plastikhandschuh. Auch hatte der Mann versucht, mit der Kreditkarte der Getöteten Geld am Automaten abzuheben.
Als Busfahrer habe er damals zahlreiche außereheliche sexuelle Beziehungen zu älteren Frauen gehabt, erklärte der Angeklagte in seiner schriftlichen Einlassung. Entlohnt worden sei er mit Wärme und auch mit Geld. Die später Ermordete will er im März 1989 kennengelernt haben. Bald hätten sie in ihrer Wohnung Zärtlichkeiten ausgetauscht und seien intim geworden.
Eine Woche vor ihrem Tod habe die Dame ihn gebeten, nach einem Abflussrohr im Bad zu schauen. Das lecke Rohr sei von ihm zunächst mit einem Leukoplastband, einige Tage später dann mit einer Dichtung repariert worden. Die dabei getragenen Plastikhandschuhe habe er im Bad zurückgelassen. Die Kreditkarte der Ermordeten sei ihm im Jahr darauf beim Aufräumen seines Autos in die Hände gefallen. In Fulda, wo ihn eine Kamera 1990 vor einem Geldautomaten filmte, habe er zunächst versucht, Geld abzuheben, sei dann aber über den Einzug der Karte froh gewesen, weil er sie eigentlich habe loswerden wollen.
Einzelne Stücke des geraubten Schmucks, die die Ermittler in seiner Wohnung fanden, seien Geschenke der alten Dame gewesen. Sybille Buckwitz, die Tochter der Ermordeten, hatte die Schmuckstücke dem Besitz ihrer Mutter zugeordnet. An ein Liebesverhältnis zwischen ihrer Mutter und dem Busfahrer glaube sich nicht, sagte die heute 67-jährige am Dienstag vor Gericht aus. Als Tochter hätte sie in den seinerzeit täglichen Telefonaten gegebenenfalls auch von einem lecken Abflussrohr erfahren. «Aber meine Mutter erwähnte das nie», sagte sie.
iwi/iwe