Leichtmatrosen und Männer mit Bärten
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Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach
Artikel vom 13.04.2009Schluss, Aus, Ende – die Fastenzeit ist rum. Hat es irgendetwas gebracht, mich sieben Wochen nicht zu rasieren und immerhin fünf Wochen nicht auf Englisch zu fluchen? Mein Fazit lautet: Ohne Grenzerfahrungen Grenzen erfahren.
Bin ich dabei ein reiferer Mensch geworden? Irgendeine spirituelle Wahrheit? Ist meine Persönlichkeit nicht etwas gewachsen? Nö, nur mein Bart. Ansonsten haben sich meine Grenzen bestätigt: Ich bin in einem Alter, in dem ich mich nicht mehr sprachlich umerziehbar bin. Nicht ein Tag war mir und meinem leiderprobten Umfeld vergönnt, an dem kein englischer Fluch meine Lippen verlassen hat.
Durchaus eine schmerzliche Erfahrung, nicht zuletzt weil meine Schulter die Strafliegestütze nicht überstanden hat. Aber was noch viel schlimmer ist: Ich bin jetzt Ende 20, und kann mich nicht mehr neu erfinden. Das war früher so einfach: Erst war man U2-Fan, dann mochte man Hip Hop und irgendwann war man dann Rocker. Was das angeht, ist meine Pubertät also rum. Fragt sich nur, wann die Pickel endlich weggehen.
Sehr begrenzt ist aber auch mein Riecher für Modetrends. Was mir, der immer zwei Jahre hinterherhinkt, völlig entgangen war: Vollbärte sind derzeit total angesagt. Das birgt nur Vorteile: Je mehr ich von meinem Gesicht und meinem schwachen Kinn verstecken kann, desto besser. Also bleibt der Bart, auch aufgrund ganz einfacher Mathematik. Gefühlte 95 Prozent der Frauen, mit denen ich gesprochen habe, fanden mich mit Vollbart besser als vorher. Zumindest bis sie mich beim Essen gesehen haben. Deswegen wird heute oder morgen etwas gestutzt, gerade der Oberlippenbart fordert seinen Obolus bei jeglicher Nahrungsaufnahme. Der gefürchtete Unterlippenüberstulper ist eine der weniger erotischen Angewohnheiten unter Vollbartträgern.
Einen Dank an alle, die meinem Fluchspendenaufruf gefolgt sind. Das bedeutet, dass irgendwer tatsächlich den einen oder anderen Text gelesen haben muss. Ganz vorn dabei sind die Jungs von Lastmanvollbart, meine neuen Helden. Denn die ziehen das nun schon 71 Tage durch, im Vergleich zu denen bin ich ein Milchreisbubi, ein Frühabbrecher. Also, nobody, den Nacktmull hab ich mir verdient. Macht weiter so!
Ja, ich bleibe dem gepflegten Vollbart gewogen. Denn braucht es nicht gerade jetzt, in den Zeiten der Wirtschaftskrise, gestandene Männer? Oder wie hat Otto Rehagel mal gesagt? „Das Schiff hat Schlagseite. Jetzt müssen wir die Leichtmatrosen runterschicken, das Kommando übernehmen jetzt die Männer mit den Bärten.“ Recht hat er.
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