Von Vanessa Gera
Silvio Berlusconi will Erdbebenopfer in seinen Immobilien wohnen lassen. Das kündigte Italiens Ministerpräsident bei der Trauerfeier für die 290 Toten an. 10.000 Menschen haben im zerstörten L'Aquila Abschied genommen.
Berlusconi will es mit seinem Angebot anderen Menschen nachtun, die ebenfalls Obdachlose in ihre Häuser eingeladen haben. Der Milliardär und Medienzar sagte aber nicht, in welchen seiner zahlreichen Immobilien von Mailand bis Sardinien er Obdachlosen eine Unterkunft beschaffen könnte.
Zwei Tage zuvor hatte der Regierungschef den Menschen in den Zeltunterkünften noch geraten, «man muss es eben nehmen wie ein Camping-Wochenende».
Für die Totenmesse in L'Aquila erteilte der Vatikan eigens eine Sondergenehmigung, weil der Karfreitag der einzige Tag im katholischen Kirchenjahr ist, an dem keine Messe gefeiert werden soll. Der vatikanische Staatssekretär Kardinal Tarcisio Bertone, der die Messe hielt, versuchte, den Blick auf die Auferstehung zu lenken: «Das wird euer Ostern sein, ein Ostern, das aus den Trümmern eines Volkes neu erstehen wird, das in seiner Geschichte so viel Leid erlebt hat.»
Der Gedenkgottesdienst fand unter freiem Himmel statt - ein anderer Ort stand nicht zur Verfügung, weil alle Kirchen der Abruzzen-Hauptstadt beschädigt oder zerstört sind. Das Grußwort des Papstes verlas der aus dem Schwarzwald stammende Monsignore Georg Gänswein: «Nur Solidarität wird es uns möglich machen, diese schmerzliche Prüfung zu überstehen.»
Auf dem Gelände einer Kaserne waren für die Trauerfeier 205 Särge aufgebahrt. Einige waren mit persönlichen Erinnerungsstücken wie dem Spielzeugmotorrad eines Jungen und dem blauen T-Shirt eines Mädchens geschmückt. Das jüngste Opfer wäre am Ostersonntag fünf Monate alt geworden.
Uniformierte Polizisten und Angehörige der Rettungsdienste trugen die Särge zu bereitstehenden Leichenwagen, von wo aus sie zu den Friedhöfen gefahren wurden. Noch während der Vorbereitungen auf die Trauerfeier wurden zwei weitere Tote aus den Trümmern geborgen, so dass die Gesamtzahl der Opfer auf 289 stieg.
iwi