Von news-Redakteur Jens Kiffmeier
Ja, ich bekenne: Ich bin Bayern-Fan – und für die Lederhosen-Truppe habe ich mein Fernsehverbot gebrochen, drei Tage vor Ende der Fastenaktion. Und wozu? Nur um die Klatsche des Jahrhunderts live mitverfolgen zu können! Strafe muss halt sein.
43 Tage habe ich mir den automatisierten Griff zur Fernbedienung erfolgreich verkniffen. Das war am Anfang nicht immer ganz leicht, doch mit der Zeit lief es immer besser. Die Macht der (Seh-)Gewohnheiten lässt sich anscheinend problemlos durchbrechen – allerdings gilt das nur für Serien, Shows und den übrigen TV-Trash, nicht jedoch für das Champions-League-Viertelfinale.
Mein geliebter FC Bayern steht mit dem Rücken zur Wand, braucht ein klares Ergebnis in der Königsklasse, spielt gegen die Jahrhundertelf aus Barcelona, dazu eine nette Einladung eines Kollegen – der Mittwochabend versprach so ziemlich alles, was einen guten Fernsehabend ausmacht. Da konnte ich einfach nicht «Nein» sagen. Ohne großartig darüber nachzudenken, fand ich mich also auf einem großen, gemütlichen Sofa vor einer großen Mattscheibe wieder.
Rückblickend wünschte ich, ich hätte es nicht getan. Jeder Treffer beim 4:0-Untergang in Barcelona war nicht nur ein Stich in meine Bayernseele, sondern zugleich auch eine gerechte Ohrfeige, die ich wohl für meine fehlende Willensstärke nicht anders verdient habe. So habe ich das Bayern-Debakel zumindest empfunden.
Der Sache kann ich allerdings eine gute Seite abgewinnen: Bestraft bin ich jetzt wohl schon genug. Das ist aber auch gut so, denn welche Alternative hätte es sonst noch gegeben? 100 Liegestütze? Tragen eines Dortmund-Trikots? Oder Verkaufen des Fernsehers? Klar, über alle diese Strafen könnte man ernsthaft nachdenken. Doch was ist das schon im Vergleich zu der Häme und dem Spott, den ich als Bayern-Fan nun wochenlang ertragen muss. Das wird mir jedenfalls eine Lehre sein. Versprochen.