Begegnung mit Bauern und Königen macht schlau
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Die sieben Jahre alte Imke erzählt zwischen den Zügen: «Schachspielen hilft mir. Ich kann mich besser konzentrieren. Und schön ist, dass man nicht schnell laufen muss wie beim Sport. Wichtig ist, wie schlau man spielt.» Doch freilich ist der Effekt nicht bei allen Schülern zu beobachten. Nicht jeder scheint ein geborener Großmeister zu sein. «Neiiin», ruft Lars empört, schaut seinen Gegenspieler vorwurfsvoll an und rauft sich theatralisch die Haare. «Das gilt nicht - du darfst mit dem Bauer nicht rückwärtsgehen.»
Der Mann, der bei solchen Grundsatzfragen Aufklärungsarbeit am Brett leistet, ist Wilhelm Beier. Der 76 Jahre alte Pensionär erklärt den Kindern zusammen mit einigen ehrenamtlichen Helfern alles ganz geduldig. Beier war früher Hochschullehrer in Frankfurt am Main und bildete Biologielehrer aus. «Vom Schach hatte ich zunächst keine Ahnung», gesteht er, «aber die Aufgabe hat mich gereizt». Er machte das Schulschachpatent und ist seitdem anerkannter Lehrer - und für die kleinen Schüler der beliebte «Schachprofessor».
Die Jungen, erklärt Beier, seien oftmals die aggressiveren Spielertypen. «Die wollen dem Gegner schnell das Brett leer räumen.» Viele Mädchen verlören leider schnell die Lust am Schach. «Die wollen dann auch mal was anderes ausprobieren: Reiten, Schwimmen oder Tennis.» Wer am Brett bleiben möchte, kann das problemlos tun. Von der zweiten Klasse an ist Schach als Wahlfach belegbar.
Die Wilhelm-Neuhaus-Schule ist in der Kur-Stadt keine Ausnahme. Allein an drei Grundschulen und allen weiterführenden Schule in Bad Hersfeld wird Schach unterrichtet. George glaubt nach seinen durchweg guten Erfahrungen, dass andere hessische Schulen mit Schachunterricht von der ersten Klasse an nachziehen sollten. Der Rektor plant, den Unterricht verbindlich auszuweiten und einen Schulversuch zu starten. In Wiesbaden will er um finanzielle und personelle Unterstützung werben. «Das Kultusministerium hat die Schulen zu mehr Eigenständigkeit aufgerufen - wir wollen es machen.»
ham/seh
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