Von news.de-Redakteur Björn Menzel
Jeder duscht gern nackt, das ist klar. Doch ich dusche auch gern in einer Duschkabine. Das ist nicht normal, musste ich feststellen und einen Duschvorhang montieren.
Die Badewanne war eine tolle Erfindung. Früher, ich kann mich kaum bis gar nicht erinnern, standen Wannen in Küchen oder in Waschhäusern. Später, daran kann ich mich erinnern, im Bad. Badeöfen wurden mit Holz befeuert und sorgten für heißes Badewasser. Die Industrie der Badezusätze begann zu florieren.
Als Kind verbrachte ich so manche Zeit in der Wanne. Oft so lange, bis das Wasser kalt und die Finger schrumplig waren. Das Waschen an sich empfand ich als nebensächlich. Ich spielte mit einem Boot oder mit einem Schwamm. Oft habe ich auch trainiert, wie lange ich die Luft anhalten kann - manchmal weit länger als eine Minute.
Kurzum, diese Zeiten sind vorbei. Schnelles Duschen ist angesagt. Meine Wohnung muss eine Dusche haben. Dass das nicht normal ist, musste ich während einer Wohnungssuche feststellen. Die Wanne scheint noch immer im Trend zu liegen. Bäder mit Duschen sind rar. Aushilfsweise duschen manche Menschen in der Wanne. Dazu brauchen sie zum einen einen Vorhang und zum anderen jemanden, der diesen montiert.
Das ist doch eine gute Tat, dachte ich mir. Eine Kollegin hat eine Wanne und einen Duschvorhang. Die Wanne steht in ihrem Bad, der Vorhang liegt gut verpackt im Flur – seit zwei Jahren. Ich habe ihr den Vorhang montiert. Mit Schrauben und Dübel und Bohrer und Zange. Das war gar nicht so einfach, denn dort, wo der Vorhang an die Wand sollte, war gar keine Wand, sondern Fenster.
Jetzt kann sie duschen, mit ihrem Vorhang in ihrer Wanne. Und ich bin froh, noch eine Wohnung mit Duschkabine gefunden zu haben. Denn Badewannen sind mir zu heimtückisch. Nicht nur, dass der kalte Duschvorhang ständig im Weg hängt. Wannen sind zum Duschen sehr eng und rutschig – und eigentlich für ein angenehmes Vollbad erfunden worden. Zum Tauchen, Spielen und Finger schrumplig werden lassen.
ruk