Fr., 25.05.12

Kommentar zum Hochschulpakt 07.04.2009 Erst handeln, dann denken

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

Deutschland bekommt neue Studienplätze. Zeit wurde es. Nicht zuletzt, weil es immer mehr Abiturienten gibt, die eine akademische Laufbahn für erstrebenswert halten. Doch eigentlich ist das Ganze ein Trauerspiel.

Wie immer sind die Bildungspolitiker viel zu spät dran. Erst das ewige Gezicke um die Vergabe von Studienplätzen, bei denen Tausende studienhungrige junge Leute leer ausgingen, weil dank Planlosigkeit einfach unzählige Plätze frei blieben. Und dann wurden Wege für potenzielle neue Studenten eröffnet, die dafür notwendigen Kapazitäten aber erst hinterher beschlossen. Klassischer Fall von: erst handeln, dann denken.

Und es wird nicht besser. Denn mit mehr Studienplätzen wird das Chaos an den Hochschulen nicht beseitigt. Vor allem nicht mit dem Bologna-Prozess im Hinterkopf. Mit aller Macht wurde die Umstellung der Studienabschlüsse auf Bachelor und Master durchgedrückt, dafür Studieninhalte in kürzere Studienzeiten gequetscht. Die Folgen blieben nicht aus: Immer mehr Studenten leiden unter psychischem Stress und die Zahl der Abbrecher steigt.

Bildung - auch akademisch - lässt sich eben nicht durch Masse, sondern nur durch Klasse verbessern. Doch davon sind viele Hochschulen weit entfernt. Vor allem dann, wenn Studenten Semester um Semester auf Wartelisten stehen, damit sie Pflichtkurse absolvieren können, die oft genug Voraussetzung für weiterführende Kurse sind. Doch je mehr Wartezeiten so ein Student erdulden muss, desto weniger realistisch ist die Chance, ein Studium in der Regelzeit zu bestreiten. Und noch weniger, wenn die Neubesetzung von Professoren- und Dozentenstellen fast zwei Jahre in Anspruch nimmt oder gar nicht erst erfolgt.

Mehr Studenten können unter diesen Umständen gar nicht wünschenswert sein. Und es ist den Studienwilligen nicht zu wünschen, unter diesen Vorbedingungen zu studieren. Qualität darf es nicht nur für die Elite geben. Jeder Student braucht sie.

mik
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