Von Samuel Heller
Die Rente reicht vielen alten Leuten nicht zum Leben. Sie suchen sich einen Nebenjob - und gehören nun zu den ersten, von denen sich die Betriebe verabschieden. Der Chef der Senioren-CDU, Otto Wulff, fordert daher eine Arbeitsvermittlung für Rentner.
Wegen der Wirtschaftskrise verlieren immer mehr Rentner ihren Nebenjob. «In den vergangenen Wochen meldeten sich häufiger Senioren, denen gekündigt wurde», sagte ein Sprecher des Sozialverbandes VdK. Die Mitarbeiter des Verbands befürchten, dass sich diese Tendenz verstärkt und rechnen damit, dass sich die Unternehmen bei vielen Hilfsarbeiten wie dem Auffüllen von Regalen in den Supermärkten nun auf ihre Stammbelegschaft konzentrieren.
«Nach Schätzungen könnten mehrere Hunderttausend Rentner unter Umständen ihren Job verlieren», sagte Senioren-Unionschef Otto Wulff. Deshalb seien Ideen nötig, wie den älteren Menschen geholfen werden könne, ihr Einkommen aufzubessern. Wulff forderte Vermittlungsstellen vor Ort. «Es gibt viele Haushalte, die Aufgaben wie handwerkliche Arbeiten oder Kinderbetreuung vergeben, und auf der anderen Seite viele Rentner, denen solche Nebenjobs helfen würden», begründete Wulff seinen Vorschlag. Anbieter und Suchende müssten zusammengebracht werden. Am besten aufgehoben wären diese Anlaufstellen seiner Einschätzung nach bei den Arbeitsagenturen. «Machbar wäre das auf jeden Fall», betonte er.
Die Zahl der Rentner, die sich ihr monatliches Einkommen aufbessern, stieg dem VdK zufolge von 615.000 im Jahr 2002 auf 817.000 im Jahr 2008. Besonders häufig müssten sich Bezieher der vergleichsweise geringen Rente wegen Erwerbsminderung Geld dazu verdienen, sagte VdK-Rechtsexperte Rainer Strauch. Er betonte zugleich, dass Senioren, wenn sie einen Nebenjob aufnehmen, die Verdienstgrenzen beachten müssen. «Es ist gefährlich, das locker zu sehen.» Bei Überschreiten der Obergrenzen für den Nebenverdienst werde die Rente entsprechend gekürzt. So kann es Strauch zufolge schnell zu Nachzahlungen kommen.
Als Hinzuverdienst gelten nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung das monatliche Bruttoentgelt, der monatliche steuerrechtliche Gewinn sowie vergleichbares Einkommen. Bei den Nebenverdienstgrenzen ist zwischen der Altersrente und der Erwerbsminderungsrente zu unterscheiden, die der Bezieher wegen Krankheit erhält. Außerdem kommt es auf das Alter an und darauf, ob die Rente voll oder nur teilweise bezogen wird.
Wer die Regelaltersgrenze von 65 Jahren erreicht hat, darf unbegrenzt hinzuverdienen. Jüngere Altersrentner dürfen bei voller Rente nicht mehr als 400 Euro im Monat verdienen, was den sogenannten Minijobs entspricht. In zwei Monaten im Jahr ist aber das Doppelte zulässig. Bei Teilrenten liegen die Grenzen entsprechend höher - wo genau, wird im Regelfall individuell berechnet.
iwi/mas