Häftlinge in Brasilien haben einen neuen Weg gefunden, um das Handyverbot im Gefängnis zu umgehen: Sie ließen sich die Mobiltelefone von Tauben liefern. Nun ist der Schwindel aufgeflogen.
Den Wächtern der Haftanstalt Danilio Pinheiro nahe der Stadt Sorocaba im Südosten Brasiliens war eine Taube aufgefallen, die ein kleines Säckchen umgebunden hatte. Mit Futter konnten sie das Tier anlocken - und fanden Einzelteile eines kleinen Handys. Am Folgetag konnte schon die nächste Taube abgefangen werden, dieses Mal mit einem Ladegerät. «Glücklicherweise blieb ihnen keine Zeit mehr, ihre Fracht abzuliefern», sagte eine Sprecherin der Haftanstalt.
Die Vögel wurden offenbar in dem Gefängnis gezüchtet. «Tauben fliegen instinktiv immer wieder nach Hause», sagte Ermittler Celso Soramiglio. Die Polizei habe noch nicht herausgefunden, wer die Vögel aufgezogen habe oder für wen die Handys bestimmt waren, so Celso.
Wie Spiegel Online berichtet, führen Häftlinge in Brasilien teilweise ein regelrechtes Luxusleben hinter Gittern. Dies betrifft vor allem Mitglieder krimineller Banden wie dem Roten Kommando in Rio de Janeiro. Diese verfügen dem Nachrichtenportal zufolge über ein umfangreiches Helfernetzwerk und werden so auch regeömäßig mit Drogen und Waffen versorgt.
Während der Schmuggel bisher vor allem über korrupte Wächter und sogar Richter funktionierte, bedienen sich die Häflinge nun offenbar auch tierischer Helfer. Dem Verband Deutscher Brieftaubenzüchter zufolge machen sich Menschen die Fähigkeit der gefiederten Freunde, instinktiv ihren Heimatverschlag zu finden, schon seit dem Altertum zunutze. Die Tiere könnten bei idealen Bedingungen bis zu 1000 Kilometer am Tag zurücklegen, sagen Experten. Dabei erreichen sie eine Geschwindigkeit von bis zu 120 Kilometer pro Stunde.
mas/iwi