Von Edgar Neumann und Christian Fahrenbach
Zwei Jahre lang jagte die Polizei einer vermeintlichen Schwerverbrecherin hinterher. Jetzt ist endgültig klar: Es gibt sie gar nicht. Die Kritik an Polizei und Politik wächst. Die Verantwortlichen aber sehen das Positive.
Für die Ermittler ist es ein herber Rückschlag und für die Kriminaltechniker eine Katastrophe: Fast zwei Jahre nach dem Mord an einer Polizistin in Heilbronn müssen die Fahnder alte Spuren wieder neu bewerten. Denn das «Phantom von Heilbronn» - eine monatelang in ganz Europa fieberhaft gesuchte Serienverbrecherin - gibt es überhaupt nicht.
Die Gen-Spur, die in den vergangenen acht Jahren an zahlreichen Tatorten immer wieder auftauchte, stammt von einer Arbeiterin einer Firma für medizinischen Bedarf in Bayern, die völlig unverdächtig ist. Sie kam aber wohl immer wieder mit den Wattestäbchen in Berührung, mit denen später die Beamten der Spurensicherung DNA-Spuren sicherstellten.
Als die leitenden Ermittler im Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart diese Fahndungspanne nach tagelangen Spekulationen endlich einräumen, versuchen sie sogleich auch die positiven Aspekte herauszustellen. Hinter ihnen wird fast symbolträchtig auf graublauem Grund über dem LKA-Schriftzug die Silhouette eines Fingerabdrucks an die Wand geworfen. Dieses klassische Beweismittel dürfte in Zukunft wieder größeres Gewicht bekommen, denn die DNA-Spuren haben bei der Verbrechensaufklärung an Glaubwürdigkeit eingebüßt.
LKA-Präsident Klaus Hiller betont dennoch: «Die jetzt identifizierte Schwachstelle wird zu einer entscheidenden Verbesserung der Spurensicherung führen.» Auch sein oberster Kriminaltechniker Werner Pflug bewertet die Aufklärung der Phantom- Panne als «großen Erfolg». Sie eröffne die Möglichkeit, «sich allen anderen Hinweisen konzentriert zuzuwenden.» Und der LKA-Chef setzt sogar noch eine fast ironisch wirkende Bemerkung hinzu: «Wir haben eine Frau gesucht. Es war eine Frau. Und wir haben diese Frau gefunden.»
Mit diesen Aussagen wird sich aber die wachsende Kritik an der Arbeit der Ermittler nicht eindämmen lassen. Schon sieht sich der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech (CDU) bohrenden Fragen der Landtagsopposition aus SPD und Grünen ausgesetzt. Kritiker können nicht verstehen, wieso bereits seit knapp einem Jahr der Verdacht einer Verunreinigung im Raum stand, ohne dass er rascher aufgeklärt wurde. Schließlich fahndete in dieser Zeit die Polizei weiter mit Hochdruck und großem personellem Einsatz nach einer Schwerverbrecherin, die sich nun in Luft aufgelöst hat.
Die Kriminalisten sind sich jedoch sicher, dass sie den Mord an ihrer Kollegin im April 2007 aufklären werden: «Wir schauen nach vorne. Wir haben nach wie vor sehr viele Ansätze. Wir fangen nicht von Null an», sagte der Leiter der Sonderkommission, Frank Huber.
che