Von Annette Reuther
Die britische Thronfolge ist ein Relikt von 1701. Längst sind die meisten Briten dafür, Mädchen dieselben Rechte einzuräumen und Katholiken in die Königsfamilie hineinzulassen. Premier Gorden Brown will jetzt im Commonwealth dafür werben.
Die «Palastrevolution» in Großbritannien ist ein Stück näher gerückt: Die britische Regierung erwägt nach mehr als 300 Jahren eine Änderung der Thronfolgeregelung - und der Palast scheint gar nicht so abgeneigt.
Herzstück der geplanten Reform: Frauen sollen künftig das gleiche Recht auf den Thron bekommen wie männliche Königskinder. Außerdem sollen britische Thronfolger künftig Katholiken heiraten dürfen, ohne ihr Anrecht auf den Thron zu riskieren. Wie es aus Downing Street hieß, sei die Regierung mit dem Buckingham Palast in Gesprächen über entsprechende Reformen.
Die heutige Grundordnung der Thronfolge des Vereinigten Königreichs, der sogenannte Act of Settlement, existiert seit 1701. Er wurde damals nach der Herrschaft des Hauses Stuart eingeführt, um zu sichern, dass nur noch Protestanten auf dem Thron sitzen können.
So deutlich wie nie zuvor sprach sich der britische Premierminister Gordon Brown auf einer Reise in Brasilien für ein Ende der Diskriminierungen in der Monarchie aus. Er deutete an, das Thema mit den Commonwealth-Staaten besprechen zu wollen, wenn diese im November zusammenkämen.
«Es gibt ganz klar Probleme damit, dass manche Personen von dem Recht auf die Thronfolge ausgeschlossen sind», sagte Brown. Diese Probleme müssten nun angegangen werden, auch wenn das Thema sehr komplex sei. «Es gibt keine einfachen Antworten, aber im 21. Jahrhundert erwarten die Leute, dass Diskriminierungen beseitigt werden.»
Die Regelung, dass Thronfolger ihr Anrecht auf den Thron verlieren, wenn sie Katholiken heiraten, ist seit langem umstritten. Nicht selten gaben die Partner ihren Glauben auf, um die Position des Thronfolgers nicht zu gefährden. Viele Briten halten es auch für unfair, dass jüngere Brüder ihren älteren Schwestern in der Thronfolge vorgezogen werden. So kommt zum Beispiel Prinzessin Anne, die Tochter von Königin Elizabeth II., erst nach ihren beiden jüngeren Brüdern in der Thronfolge zum Zuge. Auch wäre Elizabeth nie Königin geworden, hätte sie jüngere Brüder gehabt.
Einen eigenen Gesetzesentwurf für eine Reform brachte auch der Abgeordnete der oppositionellen Liberaldemokraten, Evan Harris, ins Parlament ein. Der konservative Oppositionsführer David Cameron unterstützt ebenfalls die Pläne, und beim Volk stießen sie ohnehin auf offene Ohren. Laut einer Umfrage der BBC befürworten fast 90 Prozent der Briten, dass Frauen in der Thronfolge den Männern gleichgestellt werden. 80 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Thronfolger auch Katholiken heiraten dürfen.
Eine solche Reform stellt jedoch die Rolle der anglikanischen Church of England infrage, deren Oberhaupt die Queen ist. Zudem benötigt sie die Unterstützung der 15 restlichen Commonwealth-Staaten, die Königin Elizabeth II. zum Oberhaupt haben. Wie die BBC berichtete, ist vor allem Thronfolger Prinz Charles ein Freund der Änderungen. Diese könnten dann vollzogen werden, wenn er einmal das Amt von seiner Mutter Queen Elizabeth II. übernimmt.
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