Mo., 13.02.12
Wir fasten uns ran

28 Tage ohne Englisch und Rasieren Die unheimliche Leichtigkeit des Seins

Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach

Artikel vom 25.03.2009

Was ich nie für möglich gehalten hätte, es ist passiert: Es gab Lob für meinen Bart! Gesichtsbehaarung ist gerade in, zumindest passt mein derzeitiger Wachstumsstand in die Zeit. Und das Bergfest ist auch geschafft.

Schon wieder eine Woche rum - das Einzige, was das Rasen der Zeit in letzter Zeit zumindest ein klein wenig bremst, sind meine beiden Aufgaben. Das Ziel ist klar: Endlich die sieben Wochen rumbekommen, koste es, was es wolle.

Erste Verluste sind zu vermelden, schwer genug, um mich zu einer Taktikänderung zu zwingen. Meine Schulter schmerzt von den Strafliegestützen so sehr, dass ich seit mehr als einer Woche schon keine mehr mache. Ich habe mir selbst einen Attest ausgeschrieben - Arzt sein ist ja pillepalle. Das einzige, was ich noch nicht so ganz drauf habe, ist das mit der Behandlung.

Während meine neue Lieblingsärzteserie Scrubs läuft, schmiere ich mir die Schulter lagenweise mit Diclofenac-Salbe ein, pelle dann so eine komische getrocknete Schicht wieder ab, die sich in einen kleinen Gummiball rollen und super rumschnipsen lässt und trage die nächste Schicht auf. Pro Folge ein Arbeitsschritt, mehr oder minder vergeblich. Der Schmerz geht nicht richtig weg. OK, weinerlicher Mann mit Vollbart, schon klar.

Dafür komme ich in der Außendarstellung wohl dem hippen jungen Mann etwas näher - Vollbärte sind in. Sogar meinem besten Freund entfährt ein Lob, da bin ich kaum zur Tür rein. «Der Bart steht dir echt toll. Und auch das Hemd.» Komplimente in Männerfreundschaften sind immer so eine Sache.

Ich hebe die eine Augenbraue, kneife das andere Auge zusammen, die Männerfreundschaftsgemeinheit erwartend. Nichts kommt. Er beginnt peinlich berührt zu lächeln, lässt den Blickkontakt abreißen, fängt sich aber sofort wieder. Den Kopf etwas in den Nacken gelegt, den Blick gesenkt, tiefe Stimme: «Na ja, ich meine, der kaschiert dein schwaches Kinn.» - Wir sind wieder in sicherem Fahrwasser.

Ich gebe mich jedoch keiner Selbsttäuschung hin: Es sind noch volle drei Wochen, das ist nur eine kurze Momentaufnahme, etwas Zeit zum Verschnaufen. Bergabfahrt auf einer Alpenetappe, Vollgasgerade, Freistoß - mehr nicht. Die Hölle ist noch nicht durchschritten, das wird noch haarig.

ruk
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