Eine heiße Diskussion über die Konsequenzen nach dem Blutbad ist entbrannt: Bundespräsident Köhler fordert schärfere Bestimmungen für Killerspiele und Berlins Innensenator Ehrhart Körting will ein schärferes Waffenrecht zum Thema machen.
«Sagt uns nicht der gesunde Menschenverstand, dass ein Dauerkonsum solcher Produkte schadet?», sagte Köhler am Samstag beim Staatsakt für die 15 Opfer des Amoklaufs vom 11. März im baden-württembergischen Winnenden. «Ich finde jedenfalls: Dieser Art von Marktentwicklung sollte Einhalt geboten werden.»
Genau wie die Eltern und Angehörigen von Opfern wolle er, dass sich etwas ändere, so Köhler. «Und da ist nicht nur der Staat gefordert.» Es sei auch «eine Frage der Selbstachtung, welche Filme ich mir anschaue, welche Spiele ich spiele, welches Vorbild ich meinen Freunden, meinen Kindern und Mitmenschen gebe», sagte das Staatsoberhaupt. Man müsse auch «Nein» zu Dingen sagen, «die man für schlecht hält - auch wenn sie nicht verboten sind».
Die Familien von fünf getöteten Schülern hatten in einem offenen Brief an Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Baden- Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) Konsequenzen aus der Tat gefordert. In dem Schreiben, das die Winnender Zeitung veröffentlichte, appellieren sie an die Politiker, den Zugang Jugendlicher zu Waffen zu erschweren, Gewaltdarstellungen im Fernsehen einzuschränken und Killerspiele zu verbieten. Der Jugendschutz im Internet solle ausgebaut sowie die Berichterstattung der Medien über Amokläufer reglementiert werden.
Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) will eine Initiative für ein schärferes Waffenrecht einbringen. «Er wird dafür sorgen, dass es auf der Innenministerkonferenz Thema wird und nicht wieder in Vergessenheit gerät», sagte seine Sprecherin. Körting forderte, dass Jäger und Sportschützen höchstens drei Gewehre besitzen dürfen. Er regte zudem an, Jägern den Besitz von Pistolen zu verbieten. Dem Magazin Der Spiegel sagte Körting, die anderen SPD-Innenminister verfolgten eine ähnliche Linie. Die Sprecherin betonte, Körting habe sich aber noch nicht «explizit» mit den SPD-Ministern verständigt.
Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) forderte ein härteres Vorgehen gegen Computer-Killerspiele. Er sagte der Welt am Sonntag: «Die freiwillige Selbstkontrolle der Spiele-Industrie funktioniert nicht richtig. Ich erwarte, dass die Bundesprüfstelle wesentlich schärfer hinschaut, was auf dem Markt ist.» Bisher werde die Freigabe «sehr großzügig gehandhabt», obwohl ständig über die Killerspiele geklagt werde. Ein Spiele-Vertreiber dürfe sich bei einer Anzeige nicht auf die Freigabe durch die Selbstkontrolle berufen können und die Staatsanwaltschaft deswegen das Verfahren einstellen.
mat