Mo., 13.02.12

Schulentwicklung «Schüler sind die unterschätzten Motoren»

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

Artikel vom 22.03.2009

Lehrer bestimmen, wie Schüler lernen. Das war einmal. In Zeit der Ganztagsschule haben eindimensionale Blickwinkel ausgedient, gilt es, Schüler und außerschulische Partner in die pädagogischen Konzepte einzubinden.

Der klassische Unterricht hat ausgedient. «Schluss mit den Routinen. Wir müssen den Lernbedürfnissen nachspüren», forderte der Erziehungswissenschaftler Olaf-Axel Burow. Dabei dürfe auch das soziale Umfeld, in dem Schule stattfindet, nicht außer Acht gelassen werden.

Kinder wissen selbst am besten, wo sie sich wohl fühlen und sie haben einen anderen Blickwinkel auf ihre Umgebung. Genau das sei wichtig, um Ganztagsschulkonzepte zum Erfolg zu führen. «Wenn nur die Lehrer am Schulumfeld arbeiten, dann ist das ein zu enges Feld», betonte Burow, Professor für allgemeine Pädagogik an der Universität Kassel. Dabei entstünden nur selten gute Mischungen, die sozialen, kulturellen und politischen Anforderungen gerecht würden.

Nicht funktionieren könne, wenn Kinder sich nur den erwachsenen Zwängen unterordnen müssen. «Die Schüler sind die unterschätzten Motoren der Schulentwicklung. Und die, von denen sie unterschätzt werden, sind die Pädagogen», sagte Burow.

Würden jedoch die Wünsche, Vorstellungen und Ideen der Kinder berücksichtigt, seien sie motivierter und setzten sich für ihre Schule ein. Ohne diesen Blickwinkel organisiere Schule lediglich den Misserfolg, weil individuelle Ausgangspunkte zu kurz kämen.

Das in Deutschland verbreitete System der 45-minütigen Schulstunde sei nicht förderlich. So ließen sich Unterrichtsinhalte zwar vorstellen und erarbeiten. Oft sei es aber der Fall, dass die nötige Reflektion eines Themas mit dem Stundenläuten ins Wasser falle. Wenig sinnvoll sei auch, nur gleichrangige Schüler miteinander zu unterrichten. «Hier fehlen die Leistungsspitzen, denen die weniger Erfolgreichen nacheifern können», erläuterte der Erziehungswissenschaftler.

Entscheidend sei jedoch nicht nur, punktuell aktiv zu werden, sondern langfristig zu planen. Schule als Teil der Gesellschaft dürfe sich nicht abschotten. Kooperationspartner aus vielen gesellschaftlichen Bereichen seien gefragt. Kindertagesstätten, Wissenschaft, Politiker und engagierte Bürger gleichermaßen müssen mitwirken können.

«Schule muss heute über ihren eigentlichen Zweck hinaus definiert werden», ist Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz überzeugt. Die schulische Ausbildung sei nur ein Teil von Bildung, jener, der auf das berufliche Leben vorbereitet. Deshalb sei es ein guter Weg, verstärkt außerschulische Partner wie Firmen in die pädagogische Arbeit einzubinden. So ließe sich Berufsvorbereitung effektiver gestalten.

Zwar dürfe das nicht darauf hinaus laufen, Schule nach den Bedürfnissen von Wirtschaft zu gestalten. Allerdings müsse Wissen mit Bedeutung verknüpft werden. «Wissen muss praktisch erfahrbar und auch als solches im Unterricht erkennbar werden», fordert Olbertz. Das könne über Praktika erfolgen. Denkbar sei es aber auch, Lernstoff mit dem Engagement innerhalb von Schülerfirmen zusammenzuführen.

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