Studien über Studien statt Seifenopern
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Von news.de-Redakteurin Anja Guhlan
Artikel vom 21.03.2009Mein Gedanke, sich in Daily-Soap-Studien einzuarbeiten, war gar nicht mal so blöd. Zumindest bin ich jetzt um einiges schlauer. Denn ich habe gelernt: Soaps helfen mir dabei, meine eigenen Alltagsprobleme zu bewältigen und mich zu orientieren.
Nicht, dass ich nicht schon vorher schlau gewesen wäre, aber man lernt ja bekanntlich nie aus. Jedenfalls haben sich die zahlreichen Soap-Studien, die sich zurzeit auf meinem Schreibtisch stapeln, als wahre Fundgrube für meine vielen Fragen erwiesen.
Nachdem ich mich lange genug mit der Suche nach dem Sinn meiner jahrelangen Abhängigkeit gequält habe, konnte ich zumindest einige Erkenntnisse gewinnen. Geholfen hat mir dabei vor allem die 148 Seiten umfassende Studie Unterhaltungsfernsehen als neues Instrument zur gesellschaftlichen Integration türkischer Jugendlicher.
Okay, ich bin weder Türkin, noch muss ich mich integrieren. Aber mein bisheriges Leben mit den Soaps macht nach dem Lesen dieser Studie durchaus Sinn. Allen Kollegen, Freunden und Lesern, die mich immer für irre gehalten haben, weil ich mich morgens um 7.30 Uhr schon hinsetze, um Soaps zu schauen, sei gesagt: Soaps vermitteln Werte und Bildung. Und das sage nicht ich, sondern das Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe.
Meine Seifenopern, wie zum Beispiel Marienhof, sind nach den Untersuchungen des Zentrums alltagsnah. Das kann ich bestätigen: Frank Töppers geht einkaufen, Tanja Maldini putzt, Aurelia Maldini kocht, Lisa Busch geht arbeiten und Steve Busch muss in die Schule. Alles ist maßgeschneiderte Realität, mit alltäglichen Aufgaben, Hobbys, Alltagsjargon oder sozialer Mimik und Gestik.
Daraus resultiert laut der Studie, dass ich mich als Zuschauer mit den Soap-Figuren identifizieren kann. Dargestellte Probleme und Konflikt-Situationen kann ich deshalb sehr gut auf mein eigenes Leben projizieren. Gezeigte Konfliktlösungen in den Serien erscheinen mir als hilfreich und bieten mir Orientierung für mein eigenes Leben.
Klar werden einige jetzt denken: Lebt die Frau denn noch in der realen Welt? Ich meine: ja. Denn der Transfer zwischen Fiktion und realer Welt klappt gut – das bestätigt auch die Studie. «Das Fernsehen ist in hohem Maße zur Alltagsintegration geeignet», heißt es da. Denn ich bin mit dem Medium nur lose verkoppelt. Und auch das kann ich bestätigen, weil ich nicht wie hypnotisiert vor der Glotze hänge und mir die Soaps anschaue. Bestenfalls erledige ich nebenbei sinnvolle Dinge wie Bügeln oder Aufräumen. Auf Fachchinesisch nennt sich das Ganze parasoziale Interaktion.
Ich bin am Ende also nicht verrückt, sondern fördere vorbildhaft mit dem Anschauen von Soaps meine Persönlichkeitsentwicklung? Oder gibt es Begrenzungen? Denn fünf Soaps am Tag – wie in meinem Fall – könnten vielleicht auch zu viel des Guten sein. Die Antwort auf diese Frage erörtere ich in einer der nächsten Studien...
mas
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