Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Bessere Bildung, mehr Betreuung – das sollen Ganztagsschulen leisten. Allerdings steckt hinter der Idee mehr, als Schüler den ganzen Tag unter Aufsicht zu wissen. Es geht um ganzheitliche Konzepte und darum, lange aufgestaute Probleme zu bewältigen.
Schule muss heute mehr sein als ein Ort, an dem nur Lehrer und Schüler agieren. Es sei nötig, Eltern stärker in die pädagogischen Konzepte und Aufgaben der Schulen mit einzubeziehen, betonte Sachsen-Anhalts Innenminister Wolfgang Böhmer in dieser Woche. Moderne Schulen seien so zu organisieren, dass schon früh Chancengleichheit geschaffen werde.
Das könne jedoch nicht allein Aufgabe der Schule sein. «Es besteht ein großes Defizit, wenn Eltern ihre Verantwortung dahin abschieben», sagte Böhmer im Rahmen des ersten sachsen-anhaltinischen Ganztagsschulkongresses.
Doch nicht nur Eltern könnten zur Bildungszukunft etwas beitragen. Ganztagsschule mit umfassenden Betreuungsangeboten bedürfe eines starken ehrenamtlichen Engagements. Denn Projektarbeit gehe weit über die Vermittlung von Lernstoff hinaus. «Es gibt Dinge, die hängen bleiben und welche, die einfach vorbeigehen. Worauf man aber neugierig gemacht wird, das bleibt auch im Kopf», so der Innenminister. Daher sei es nötig, dass Lehrer nicht nur ein «Fass mit Wissen füllen, sondern ein Feuer bei ihren Schülern entfachen».
Begeisterung und kreative, innovative Bildungskonzepte genügend jedoch nicht. «Eine gute Schule erfüllt ihren Zweck, wenn sie die Kinder stark macht», betonte Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbert. Dabei spiele auch Qualitätsmanagement an den Bildungsstätten eine Rolle. Deshalb müssten die Konzepte der Ganztagsschulen daran orientiert werden, individuelle Förderung zu organisieren, Schwächen und Talente frühzeitig zu erkennen und neue Formen des Unterrichts zu integrieren.
Es sei darauf zu achten, dass Kinder selbst bei der Schulgestaltung mitwirken könnten, Gemeinschaftserlebnisse innerhalb der Schule haben und mit der Arbeitswelt vernetzt werden. «Und am Ende muss man natürlich auch die Schülerleistung messen», betonte Olbertz. Denn auch hinter der Ganztagsschule stehe der Gedanke, mehr Schülern den Weg zu einem möglichst guten Abschluss zu ebnen.
Von heute auf morgen ist derlei jedoch nicht umsetzen. Viele Schulen, die sich das Ziel gesetzt haben, Ganztagsschule zu werden, kämpfen mit Problemen - in struktureller wie sozialer Hinsicht. «Schulen brauchen Unterstützung. Es muss eine enge Zusammenarbeit mit Sozialarbeit geben», erklärt Heike Kahl, Geschäftsführerin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS). Beide Instanzen würde in der Praxis oft noch aneinander vorbei arbeiten.
Zugleich sei der Blick über den Tellerrand bedeutsam. Vorbilder aus anderen Bundesländern aber auch Schultandems eignen sich, um Bildung qualitativer zu gestalten. «Vielen Schulen fällt es allerdings schwer, sich Hilfe zu holen, besonders von ministerieller Seite», weiß Kahl.
Die Bereitschaft der Schulen, sich untereinander auszutauschen und Schwächen ins Visier zu nehmen, falle deutlich leichter. «Die Schulen stehen unter dem Druck, dass die Schüler ihr Klassenziel erreichen müssen. Gelingt das, ist das ein Erfolg der Lehrer. Schaffen sie es nicht, dann werden die Probleme bei den Schülern gesucht», macht Kahl deutlich. Doch über Fehlbarkeiten müsse ebenso gesprochen werden, wie zu klären sei, warum etwa das Schulteam nicht funktioniere. Ursache sei häufig, dass «nicht Kinder, sondern Englisch unterrichtet» würden. Das sei jedoch der falsche Ausgangspunkt.