Fr., 25.05.12

Begrenzte Aufstiegschancen 18.03.2009 «Männer sind blind für weibliche Führungsqualität»

Wie werde ich...? Assistent der Geschäftsführung (Foto)
Frauen in Spitzenpositionen sind noch immer verhältnismäßig selten. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

Nur 17 Prozent aller deutschen Führungskräfte sind weiblich. Das reicht den Unterzeichnern der Nürnberger Resolution nicht. Mit einer von ihnen, Martine Herpers, sprach news.de über die Vorteile einer Quote für weibliche Führungskräfte.

Frau Herpers, warum gibt es so wenig Frauen in Führungspositionen?

Herpers: Das liegt daran, dass in der Gesellschaft immer noch eine Art gläserne Decke existiert. In den Köpfen existiert ein Filter, der Männer nicht wahrnehmen lässt, dass auch Frauen kompetent sind. Wenn es darum geht, hohe Posten zu besetzen, heißt es meist: «Da fällt mir keine Frau ein.»

Warum halten Sie es für wichtig, dass Frauen in der obersten Chefetage sitzen?

Herpers: Weil Frauen das ganzheitliche Denken ins Unternehmen bringen, es ihnen nicht nur darum geht, sich zu profilieren und alle Entscheidungen ausschließlich vom Profit abhängig zu machen. Zudem haben Studien bewiesen, dass gemischte Teams einfach bessere und mehr Leistung für ein Unternehmen bringen. Aber so lange es nur freiwillig ist, werden sich die wenigsten die Mühe machen, bewusst auf solche Mischungen zu achten.

Ist der Ansatz, in Zeiten der Gleichberechtigung auch noch eine Quote einführen zu müssen, nicht ein bisschen übertrieben?

Herpers: Nein. Denn nicht nur Männer nehmen die weiblichen Führungsqualitäten nicht wahr. Das ist bei Frauen genauso. Selbst da, wo Frauen die Chefs sind, arbeiten oft mehr Männer als Frauen.

Also ist das Denken das Problem. Wie lässt sich das ändern?

Herpers: Nur mit Quotenregelungen nach dem norwegischen Modell. Das sieht gesetzlich vor, dass mindestens 40 Prozent Frauen und 40 Prozent Männer in einem Unternehmen und in der Führungsetage beschäftigt sind. Die übrigen 20 Prozent können dann frei gewählt werden.

Ist es nicht zu hoch gegriffen, das gleich gesetzlich regeln zu wollen?

Herpers: Das ist leider der einzige Weg, um das Denken zu ändern. Nur so sind mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Nur so lernen Headhunter auch nach Frauen zu suchen, wenn es um die Besetzung von Spitzenpositionen geht.

Aber eine Quote allein qualifiziert noch niemanden. In der Resolution, die sie unterzeichnet haben, werden auch Qualifikationsstandards gefordert. Welche wären das?

Herpers: Das finge damit an, Aufsichtsratsposten, die eine Person inne hat, zu begrenzen. Heute ist die Unsitte verbreitet, dass man zehn solcher Positionen wahrnimmt. Da kann aber niemand ernsthaft konzentriert arbeiten. Außerdem muss die Zusammensetzung eines solchen Gremiums stimmen. Da müssen Leute mit Branchenkenntnis sitzen. Leute, die sich schnell in Zahlen einarbeiten können, bereit sind, Gewohnheiten zu hinterfragen, und einen Spürsinn gegen Korruption entwickelt haben, schnell Fakten begreifen und genauso schnell Entscheidungen treffen. Menschen mit solchen Fähigkeiten erfasst das norwegische Modell in einer Datenbank.

Ist das tatsächlich nötig?

Herpers: Übertrieben ist es nicht. In Norwegen haben die Firmen eben konkret nach Frauen mit solchen Potenzialen gesucht. Wenn sich qualifizierte Frauen dort eintragen lassen, die die Qualitätsnormen erfüllen, dann zieht das häufig vorgebrachte Argument, dass keine Frau mit passenden Anforderungen zu finden sei, einfach nicht mehr. Dann ließe sich auch die Quote erfüllen.

Das klingt sehr optimistisch, selbst mit Franz Müntefering im Rücken, der sich für die Resolution einsetzt. Glauben sie ernsthaft, die Unternehmen lassen sich das gefallen?

Herpers: Ich rechne mit einem Entrüstungssturm. Denn Äußerungen, dass solche Quoten gegen das Grungesetz wären, habe ich oft genug gehört. Doch es geht ihnen gar nicht ums Grundgesetz, sondern wiederum um Macht. Keine Unternehmer möchte sich gern in die Freiheit seiner Entscheidung hineinpfuschen lassen - auch nicht bei der Stellenbesetzung.

Zu den Unterzeichnern der Resolutionen gehören vorrangig Frauen, aber auch einige Männer. Dabei handelt es sich um eine persönliche Einstellung, nicht aber um die Position der Unternehmen, für die die Unterzeichner tätig sind.

Martine Herpers ist Informatikerin und arbeitet als Unternehmensberaterin (Senior Consultant) bei einem Softwareunternehmen.

kat
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Kommentar 1
  • 17.04.2009 17:30
 

Ist doch klar ,weil die Männerwelt es nicht will .Manchmal kann eine Frau besser sein ,wie ein Mann ,aber höchst selten . Männer haben ja nicht so viel zu tun in der Familie ,die Hauptlast liegt immer bei der Frau . Ausnahmen gibt es ,weiß ich .Sie können sich doch sehr auf ihre Arbeit konzentrieren .

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