Der Killer und die Phrasen
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Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Es war zu erwarten: Nach dem Amoklauf von Winnenden erfährt die Debatte um die sogenannten Killerspiele neuen Aufwind. Sie sind schuld, dass ein Mensch alle Hemmungen ablegt und Menschen tötet. Ein Kommentar.
Weil Tim K. Amok lief, sind wieder einmal Computerspiele schuld daran. Für Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ist der Amoklauf von Winnenden ein gefundenes Fressen. Computerspiele machen Menschen zu Mördern, weil sie Hemmschwellen senken und zum Nachahmen anregen. Also fordert er: weg damit.
Nur eines hat Herrmann dabei vergessen: Wenn jeder Killerspieler ein potenzieller Mörder ist, dann sollte der Innenminister schnell in Deckung gehen. Hundertausende spielen Ego-Shooter wie Counterstrike. Die Chancen, dass einer von Herrmanns Mitarbeitern ein solches Spiel auf dem heimischen PC installiert hat, sind also gar nicht so gering.
Herrmanns Analogie ist zu einfach gestrickt. Weil eben nicht jeder, der sich für Ego-Shooter begeistert, ein Mörder ist. Sonst wäre Deutschland inzwischen menschenleer.
Was Herrmann versucht, läuft allenfalls darauf hinaus, gegen die Symptome, aber nicht gegen die Ursachen vorzugehen. Welche das wären? Würde man der einfach gestrickten Denkweise folgen, dann müsste man Männer abschaffen. Denn bei allen bisherigen Amokläufen an Schulen waren Männer die Täter.
Doch warum spielen Männer eigentlich Computerspiele? Wenn man sich an die Vorurteile hält, nicht nur weil es Spaß macht, sondern weil diese Menschen unsozial sind und keine Freundin haben. Folglich sind doch eigentlich die Frauen schuld. Also weg damit.
Und was dann? Dann ist das Problem gelöst. Gibt es keine Menschen mehr, kommt keiner auf die Idee, Amok zu laufen oder Computerspiele herzustellen.
So einfach ist das mit dem Phrasen dreschen. Aber mit der Realität hat das nichts zu tun. Denn auch Frauen spielen Killerspiele, auch Frauen sind Singles, auch Frauen neigen zur Gewalt. Es gibt mehr als Schwarz und Weiß. Denn kein Mensch wird mit dem Willen zum Amok laufen geboren. Und Computerspiele geben Menschen keine Waffen in die Hand.
Natürlich können die Figuren in Computerspielen Vorbilder sein. Doch das gilt auch für die Menschen, die einen umgeben. Darum spielen kleine Kinder Räuber und Gendarm, Cowboy und Indianer, Tante und Onkel.
Leserkommentare (7)
Ich finde den Artikel von Mandy Hannemann druchaus nicht eindimensional - er ist einfach nur ironisch und zeigt durch Überspitzung und Übertreibung die Absurdität gewisser Argumente auf, das ist alles. Übrigens funtioniert die Logik Counterstrike = Amoklauf durchaus nicht - da muß vorher schon Einiges andere schiefgegangen sein, wovon diese simple Ursachenbehauptung einfach ablenken soll. Zu dem Thema sind die Wissenschaftler übrigens selbst noch uneinig - nur daß in den Mainstream-Medien eben nur eine bestimmte Fraktion gehört wird.
jetzt antworten Kommentar meldenwer kann nicht lesen? Pierre Mensah!
jetzt antworten Kommentar meldenBravo!, endlich hat mal jemand begriffen! Gratuliere, Mandy Hannemann, so treffend hat es lange (seit Emsdetten, der Fall RestistantX) niemand mehr formuliert. Eigentlich sollte man nun meinen, sie hätten es alle begriffen, aber wenn ich mir hier die Kommentare ansehe, ist Enttäuschung vorprogrammiert. Also lasst uns mal schnell die Freauen ausrotten, dsamit keine Kinder mehr gezeugt werden können, die dann evl. in die Verlegenheit kommen EgoShooter oder Räuber&Gendarm zu spielen, damit es niemanden mehr gibt, der danach Amok läuft. - Manche Menschen sterben auch dumm!...
jetzt antworten Kommentar meldennee, das wollte ich nicht behaupten, ich kann ihrem beitrag nur nickend zustimmen. ich wollte nur sagen, dass der beitrag von frau hannemann ebenso eindimensional ist, wie eben zu behaupten, computerspiele müssten verboten werden und dann gibt es keine amokläufer mehr.
jetzt antworten Kommentar meldenWenn Sie behaupten wollen, dass Computerspiele allein dafür verantwortlich sind, dass der Typ Amok lief, ist das genauso verlogen. Diese Spiele sind höchstens ein Katalysator. Das Problem liegt doch aber vor allem darin, wie die Gesellschaft jungen MEnschen heute lernt, mit Frust umzugehen - so gut wie gar nicht. Butter bei de Fische: Computerspiele mögen einen Einfluss haben, aber bis zum Amoklauf müssen schon viele Fakten zusammenkommen. Doch das ignorieren lieber alle.
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