Schrecksekunde auf der Internationalen Raumstation ISS: Aus Furcht vor einem heranfliegenden Stück Weltraummüll hat die Besatzung kurzzeitig Zuflucht in einer angedockten Sojus-Kapsel gesucht.
Um 17.39 Uhr Mitteleuropäischer Zeit passierte ein Teil eines ausgedienten Satelliten die Raumstation ISS, wie die US-Weltraumbehörde Nasa mitteilte. Die Bodenkontrolle habe den Schrott zu spät erkannt, um noch ein Ausweichmanöver einzuleiten, hieß es.
Daher sei die Besatzung zuvor kurzfristig und als reine Vorsichtsmaßnahme in die Sojus-Kapsel umgezogen. Der Weltraummüll zog jedoch vorbei, ohne Schäden anzurichten. «Die Bedrohung der ISS ist vorbei», teilte die Nasa schließlich mit. Insgesamt blieb die Crew nur etwa zehn Minuten in der Kapsel.
Die drei Besatzungsmitglieder - Michael Fincke and Sandra Magnus sowie der russische Kosmonaut Yury Lonchakov - hatten den Angaben zufolge bei ihrer kurzen Zuflucht aber sogar die Luken der Sojus-Kapsel geschlossen. Dadurch hätten sie im Falle einer Notsituation auf der ISS sofort ablegen können, teilte die NASA mit. Die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags sei allerdings gering gewesen.
Bereits der Aufprall eines ein Zentimeter großen Stückes könnte Satelliten oder die Raumstation schwer beschädigen.
Erst im Februar waren ein US-Telefonsatellit und ein seit Jahren ausgemusterter russischer Satellit frontal kollidiert. «Etwas Vergleichbares ist bisher noch nicht passiert», sagte damals der für herumfliegende Wrackteile zuständige Nasa-Sicherheitschef Nicholas Johnson dem Fachportal Spaceflight Now.
Vorsorglich hatten Nasa-Sicherheitsexperten die Gefahr für die internationale Raumstation ISS berechnet - und Entwarnung gegeben. Die Gefahr, dass das Forschungslabor getroffen wird, sei gering, hieß es damals. Nach der Kollision hatte sich ein weites Trümmerfeld gebildet - die Astronomen zählten an ihren Radarteleskopen schon kurz nach dem Zusammenstoß rund 600 Wrackteile.
tno/mas