Von news.de-Redakteur Christoph Heinlein
Wüstensafaris und Ökocamps sind der Zukunftstrend auf der ITB in Berlin. Aber auch Low-Budget-Reisen und Spezialangebote für Ältere. Heute gibt es den passenden Trend für jede Zielgruppe. In der Zukunft kann man aufs Wegfahren vielleicht ganz verzichten.
Wenn es um die Wüste geht, kommt Antje Zellmer schnell ins Schwärmen. «Besonders nachts ist es unglaublich», sagt sie. «Das Leuchten der Milchstraße, das könne man in einer europäischen Großstadt gar nicht mehr sehen. Und dazu die Stille. «Wenn man im Zelt liegt, hört man sein eigenes Herz schlagen.»
Die 39-Jährige arbeitet für «Dabuka Expeditions», einen auf Wüstenexpeditionen spezialisierten deutsch-ägyptischen Reiseveranstalter. Als ihr Chef das Unternehmen vor 25 Jahren gründete, war er der einzige Wüstenspezialist in Deutschland. Heute tummelt sich eine Vielzahl von Unternehmen auf dem Markt, und auch die Zahl der Teilnehmer an den Expeditionen habe stetig zugenommen, sagt Zellmer.
Ausflüge in die Wüste, aber auch in den Dschungel oder ins Hochgebirge – solche Angebote liegen im Trend. «Der Anspruch der Reisenden hat sich geändert», sagt David Ruetz, Leiter der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin. «Jeder will heute etwas erleben.» Erlebnisreisen zeigten einen anderen Blickwinkel auf die Welt, abseits ausgetretener Pfade.
Auf der ITB ist eine ganze Halle den Zukunftstrends des Tourismus gewidmet. Anbieter von «Experience adventure»-Reisen, von Abenteuer- und Erlebnistrips, teilen sie sich mit einer Abteilung für Ökotourismus, der ebenfalls als heißes Thema in der Reisebranche gilt. Bei Ökoreisen wird nicht nur Wert auf möglichst nachhaltige und umweltschonende Transportmittel und Unterkünfte geachtet, oft können die Touristen auch Umweltschutzprojekte im Regenwald oder an der Nordseeküste besuchen. Auch große Anbieter wie Tui haben im Internet mittlerweile einen grünen Katalog im Angebot.
Dass sich die ITB um den Tourismus der Zukunft bemüht, hat Tradition. Denn die Veranstalter wollen aus dem Treffen auch ein Forum für die wichtigen Themen der Branche machen. Natürlich werden auf der Messe Hotels beworben und Kontingente an Flugtickets verkauft. Schließlich ist die Tourismusbörse in Berlin der wichtigste Treffpunkt der Reiseindustrie. Aber die Verkaufsschau wird begleitet von einem Tagungs- und Diskussionsprogramm, bei dem hochrangige Experten zu Wort kommen.
Der Zukunftsforscher Rohit Talwar war wichtigster Gast beim «ITB Future Day». Für ihn sind Innovationen gerade jetzt angesagt. «In der Krise werden die besten Ideen geboren», sagt er. Stillgelegte Ölplattformen im Golf von Mexiko werden als kommende Reiseziele gehandelt, aber auch Luftschiff-Hotels. Erste Unternehmen haben bereits mit dem Verkauf von Weltraumreisen und Übernachtungen im Space-Hotel begonnen – stattfinden werden diese Reisen allerdings erst in einigen Jahren.
Doch die Phantasien gehen bereits weiter: Selbst virtuelle Reisen werden vorstellbar. Einer Umfrage zufolge würden 69 Prozent der Reisenden es schätzen, wenn ihr Urlaub durch virtuelle Realitäten angereichert würde – wenn beispielsweise der Besucher des Forum Romanum per VisorElektronisches Gerät, das optische Eindrücke erzeugen kann. den Platz so betrachten könnte, wie er in der römischen Kaiserzeit ausgesehen hat. Allerdings: Ganz die Reise ersetzen können virtuelle Eindrücke nur für 23 Prozent der Befragten.
Die aktuellen Entwicklungen sind ohnehin bodenständiger. Ein paar Gänge neben den Erlebnis- und Umweltreisen werben auf der ITB Budgethotels um Kunden – auch sie ein Trend des Jahres 2009. Auf einer Podiumsdiskussion in der Halle werden einfache Unterkünfte, wie sie bei Jugendlichen schon länger beliebt sind, gepriesen. So etwa Hostels und Jugendherbergen, die sich seit Jahren um einen höheren Standard bemühen, um vom Schlafsaal-Image wegzukommen. Sie seien die Antwort auf Absatzprobleme in der Branche, gerade in Zeiten der Krise.
Die Liste der Trends ist damit nicht erschöpft. Spezielle Angebote für Ältere, die 50plus-Hotels, Reisepakete für Homosexuelle – für jede Zielgruppe wird ein eigener Trend ausgerufen. Der Sprecher eines großen Reiseverbandes nennt gar organisierte Reisen – die Menschen wollten immer mehr umsorgt werden, meint er. Für einen Trend freilich sind solche Angebote wohl doch schon etwas zu lange etabliert.
Vom Wüstentrip bis zum Schlafsaal, vom Öko-Camp bis zum Kurhotel: Die Interessen der Reisenden werden immer vielfältiger. Die Zeiten der Völkerwanderung an die Strände Italiens oder Spaniens sind endgültig vorbei, auch wenn diese Ziele natürlich beliebt bleiben. Den einen, großen Renner im Tourismus: Es gibt ihn nicht.
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