Fr., 25.05.12

Medienethik/Medienrecht 12.03.2009 Journalistenverband rügt Selbstinszenierung

Der Deutsche Journalisten-Verband hat Auswüchse in der Berichterstattung über den Amoklauf von Winnenden angeprangert.

Der Bundesvorsitzende Michael Konken rügte am Donnerstag insbesondere Kurzberichte einzelner Journalisten über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter, in denen sie während der Bluttat mehrfach über ihre Arbeitsweise und Erlebnisse am Rande des eigentlichen Geschehens informierten. Eine solche Selbstinszenierung vertrage sich nicht mit der Unabhängigkeit von Medien.

Konken kritisierte: «Eine Berichterstattung, die den Journalisten in den Vordergrund rückt und gezielt die Sensationslust eines Teils der Nutzer bedient, ist pietätlos gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen. Sie geht über die Informationspflicht der Medien weit hinaus und birgt die Gefahr, die Glaubwürdigkeit der Medien nachhaltig zu beschädigen.»

Konken erinnerte an die Chronistenpflicht von Journalisten. Es gelte, bei derart tragischen Ereignissen die sachliche Berichterstattung in den Mittelpunkt zu stellen und so der besonderen Verantwortung der Medien nachzukommen. «Der zunehmende Konkurrenzdruck unter den Medien darf nicht dazu führen, Nachrichten selbst zu produzieren, wenn es mal einige Minuten lang keine gibt.» Diese Art von Berichterstattung schade dem Ansehen des journalistischen Berufsstandes.

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