Von Jan Wehberg
Die Regenwälder gelten als eine der letzten Bastionen im Kampf gegen die globale Klimaerwärmung, da sie beim Wachsen Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnehmen und speichern können. Doch dem Wald könnte es nun selber zu warm werden.
In den Tropen sterben immer mehr Bäume ab, berichtet David Hilbert vom staatlichen australischen Forschungsinstitut CSIRO. Das führe zu einer Abnahme der Biomasse und damit des gespeicherten Kohlenstoffs.
«Der Verlust liegt nach unseren Berechnungen bei 14 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar bei einer Erwärmung von einem Grad», sagt Hilbert und bezieht sich damit auf eine bisher unveröffentlichte Untersuchung. Sie basiert auf Daten aus Nordost-Australien von insgesamt 8210 Bäumen in 16 Analyseflächen über einen Zeitraum von 35 Jahren.
Dabei ermittelten Hilbert und sein Team die Fläche von Baumstämmen in einem berechneten Querschnitt in 1,3 Meter Höhe. Von dieser sogenannten Basalfläche lässt sich auf die gesamte Holzmasse im Regenwald und auf den gebundenen Kohlenstoff schließen. Die Forscher stellten fest, dass die Basalfläche der Bäume im Durchschnitt mit zunehmender Temperatur geringer ausfällt. Dies beruht darauf, dass mehr Bäume aller Altersklassen absterben, also auch die Urwaldriesen, während die Nachwachsenden weniger Volumen haben.
Hilbert spricht in diesem Zusammenhang von einem demographischen Wandel im Regenwald. Er beobachtete eine Abnahme der Basalfläche um 2,8 Quadratmeter pro Hektar und Grad Celsius Erwärmung. «Wir wissen allerdings noch nicht, warum die Bäume sterben», sagt Hilbert.
Das Ergebnis der Studie deckt sich mit einem allgemeinen Muster, das Hilbert in tropischen Wäldern beobachtet hat. Daten aus ungefähr 90 Publikationen über unterschiedliche Regenwälder der Erde mit unterschiedlichen langfristigen Temperaturmitteln zeigen eine Abnahme der basalen Stammflächen im Durchschnitt um etwas mehr als zwei Meter pro Hektar und Grad.
Dieser Umstand ist nach Hilberts Angaben bisher noch nicht dokumentiert oder in den globalen Klimamodellen berücksichtigt worden. Jedoch meldete das Fachblatt Science, dass Trockenheit in den Regenwäldern des Amazonas massiv zum Absterben von Bäumen und damit zu Kohlenstoffverlusten führt.
Schneller als bisher vermutet, so Hilbert, könnte das Baumsterben die weltweite Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre in die Höhe treiben und so den Klimawandel beschleunigen: «Bei der geschätzten weltweiten Fläche des tropischen Regenwaldes ergibt das eine potenzielle Abnahme der Kohlenstoffspeicher von fast 25 Milliarden Tonnen pro Grad Celsius Erwärmung.» Das wären laut Hilbert etwa zweieinhalb mal soviel wie die globalen Kohlenstoff-Emissionen im Jahr 2007.
car/ruk/Wissenschaft aktuell