Von news.de-Redakteur Stefan Bechstein
Zwei Wochen sind vorbei und meine Haare wachsen und wachsen. Was die Frisur betrifft, kristallisiert sich heraus, dass mir der Seitenscheitel am besten steht. Aber was hat es mit dem Seitenscheitel auf sich? Wie trendig ist er, und was steht im Internet zu meiner Frisurwahl? Ein Recherchebericht.
Auf der Internetseite der Vogue werde ich schnell fündig. Der Seitenscheitel schneidet dort gar nicht so schlecht ab. Er lasse einen markanten Unterkiefer weicher wirken, heißt es da. Und sofort denke ich an Michael Schumacher. Doch bei einem Blick auf seine Homepage stelle ich fest: Schumi trägt kurz und gegelt. Vielleicht sollte ich ihm eine E-Mail schicken und meine Erkenntnis von der Vogue-Seite mitteilen.
Ich lese weiter auf der Seite des Modemagazins: «Große Nasen wirken weniger massiv, da sie nicht im Mittelpunkt des Blicks liegen». Auch das beruhigt mich, obwohl ich gar keine so große Nase habe. Aber schon wieder kommt mir ein bekanntes deutsches Gesicht in den Sinn: Mike Krüger.
Die Werbefigur für eine Baumarktkette präsentiert sich auf seiner Homepage mit einer dermaßen hohen Stirn, dass der Haaransatz kaum noch zu sehen ist. Ich finde, da macht es keinen Sinn, eine E-Mail an ihn zu schreiben, um ihn auf die Vorzüge eines Seitenscheitels hinzuweisen.
Weiter geht meine Internetrecherche und ich treffe auf die Seite www.seitenscheitel-friseur.de, ein Friseur, der zu mir nach Hause kommen würde. Klingt interessant. Und auch das Angebot verspricht Einiges:
- Sie brauchen bei schlechtem Wetter nicht aus dem Haus (Das ist super, so kann ich meine Artikel von zu Hause aus im Jogginganzug schreiben)
- Sie brauchen keinen Parkplatz zu suchen (Auch prima, ist in Leipzig ohnehin ein Problem)
- Kein ständiges gucken, was die Kinder anstellen (Ich habe noch keine, klingt aber dennoch sehr verlockend)
- Komme bis 23.00 Uhr (Klasse, ich bin ohnehin ein Freund des späten Haarschnitts)
- Komme auch Sonntags und Feiertags (Ist zwar falsch geschrieben, ich kann mir aber gut vorstellen, dass ich in der Halbzeitpause der Fußball-Bundesliga samstags Lust auf einen frechen Pony bekomme)
Leider entpuppt sich das Angebot als ungeeignet für mich, denn der mobile Friseurdienst schneidet nur in und um Osnabrück. Schade eigentlich, hatte mich schon auf einen Seitenscheitelschnitt in den eigenen vier Wänden nach meinen «Sieben Wochen ohne Friseur» gefreut.
Einen letzten Blick ins World Wide Web gönne ich mir noch. Dabei treffe ich auf einen Foreneintrag mit folgendem Inhalt: «Meine Mutter hat mir immer einen Seitenscheitel gekämmt, mit dem ich aussah wie Heintje. Gottseidank ist das in den 60ern jedoch nicht größer aufgefallen. Aber als ich dann später meine Frisur selbst bestimmen konnte, wollten meine Haare noch Jahre nach Abschaffung des Seitenscheitels immer wieder in diesen Zustand zurückkehren».
Kalter Schauder läuft mir über den Nacken. Worauf habe ich mich nur eingelassen? Über diese Nebenwirkungen hat mich niemand aufgeklärt. Vielleicht muss ich den Scheitel tragen bis ans Ende meiner Tage. Wie schrecklich! Erst ein Anruf bei meiner Mutter kann mich beruhigen. Sie versichert mir, dass ich als Kind nie Seitenscheitel trug - wohl aber Heintje-Filme mochte.
bjm