Von news.de-Redakteur Björn Menzel
Jeden Tag eine gute Tat zu vollbringen, ist sehr einfach. Besonders, wenn man sich gleichzeitig selbst etwas Gutes tut. Ich habe es ausprobiert.
Die Party geht bis morgens um 4 Uhr. Alkohol gibt es reichlich und die Küche sieht aus wie ein Schlachtfeld. Vor dem Einschlafen hat irgendjemand eine letzte gute Idee: Wir frühstücken alle gemeinsam. Schließlich ist Sonntag. Doch einer muss frische Brötchen holen.
Da erinnere ich mich an meine Aktion «Jeden Tag eine gute Tat» und melde mich schnell bereit. Immerhin ist das doch wirklich eine gute Tat, denke ich mir, während ich den noch stehenden Partygästen ins Gesicht blicke. Von meiner Aktion verrate ich lieber nichts. Ich ernte sehr viel Zustimmung, Lob. Gefühlt habe ich gerade zwölf neue Freunde gewonnen.
Es gibt für mich kaum etwas Schöneres, als an einem Sonntag zum Bäcker zu gehen. Die Stadt ist ruhig, hat eine eigene Melancholie. Niemand hetzt, manche führen ihre Hunde aus. Die Luft ist frisch und rein. Die Frau hinter dem Tresen ist freundlicher als sonst und die Backware heißt heute Sonntagsbrötchen. So könnte es immer sein.
Die zwölf Freundschaften verfestigen sich, als ich mit den frischen Brötchen ankomme. Ich werde gefeiert. Ich bin ein Held der frühen Stunde, einer, der sich geopfert hat für alle anderen. Doch eigentlich stimmt das gar nicht: Ich gehe gern Brötchen holen, nicht zuletzt, da ich ja selber Hunger habe.
Was weiterhin geschah: In den vergangenen Tagen habe ich unter anderem Flüssiggas besorgt, Leute von A nach B gefahren, habe meine Oma angerufen und meine Eltern. Ausblick: Ich werde noch eine Küche aufbauen.
jek