Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Der Chef meckert ständig, weil die Fehler kein Ende nehmen? Dann liegt das vielleicht an mangelnder Konzentration. Mit dem Konzentrationstrainer Matthias Böhme sprach news.de über Probleme und darüber, wie man besser arbeiten kann.
news.de: Herr Böhme, leiden eher Kinder oder Erwachsene unter Konzentrationsproblemen?
Böhme: Tests zeigen, dass die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, bis zum 19. Lebensjahr zunimmt und dann leicht zurückgeht. Doch die Hintergründe sind sehr unterschiedlich. Bei Kindern kann ADSAufmerksamkeitsdefizitsyndom; Betroffene lassen sich leicht ablenken und haben ein geringes Durchhaltevermögen. eine Rolle spielen. Erwachsene haben eher ein Problem mit den hohen Anforderungen im Beruf.
news.de: Wieso gerade der Beruf?
Böhme: Die Aufgaben, mit denen wir bei der Arbeit konfrontiert werden, sind vielfältig. Hinzu kommen die technischen Möglichkeiten. Ständig schalten wir zwischen Computerprogrammen hin und her. Der Mensch gewöhnt sich an das Zappen und tut es dann im Kopf. Wir denken gleichzeitig an vieles, versuchen dabei noch Aufgaben zu erledigen und bilden uns ein, so ließe sich die Arbeit schneller und besser machen.
news.de: Multitasking ist also gar nicht gut?
Böhme: Für das Ergebnis ist es besser, bei einer Sache zu bleiben. Sonst wird man unkonzentriert, schweift ab, macht Fehler, ist mit sich selbst nicht zufrieden und hat keine Freude am Arbeiten.
news.de: Das passiert doch auch, wenn einem der Chef zu schaffen macht und es im Privatleben Ärger gibt.
Böhme: Wenn es zu Hause morgens einen ordentlichen Krach gab und der Partner einem sagt «Pack deine Sachen, verschwinde», dann geistert einem das ständig im Kopf herum. An Konzentration ist nicht mehr zu denken. Auch nicht, wenn man vom Chef ständig heruntergeputzt wird.
news.de: Da hilft nur eine Auszeit. Was halten Sie davon, dass viele Arbeitnehmer pro Tag lediglich eine Pause haben?
Böhme: Um konzentrierter und besser zu arbeiten, bräuchte man mehr Pausen. Das sehen viele Chefs nicht gern. Nur bei Fluglotsen hat man bisher eingesehen, dass mehr Pausen besser sind. Sie werden alle 20 Minuten abgelöst, damit keine Fehler passieren. Für andere Arbeitnehmer wäre es am besten, wenn man alle 90 Minuten kurz abschalten könnte. Dafür kann der Gang zum Kopierer oder Drucker schon reichen. Oder man läuft sechs Treppen ins Erdgeschoss und wieder zurück. Das dauert drei Minuten und hilft auch, um das Gehirn durchzulüften.
news.de: Was kann ein Arbeitgeber tun, damit seine Leute konzentrierter bei der Sache sind?
Böhme: Ein wenig Herausforderung ist optimal für das Gehirn, aber nicht zu viel. Ein kalter oder überhitzter Motor läuft auch nicht rund. Chefs müssen den Mittelweg finden, statt Hektik und Stress zu verbreiten. Sonst tragen sie dazu bei, dass Fehler passieren. Bei Projekten sollten Arbeitgeber realistische Fristen setzen, andernfalls entsteht Frust. Zudem müssen Beschäftigte auch das Vertrauen spüren, etwa indem sie ihre Aufgabenplanung selbst machen dürfen, weil sie am besten einschätzen können, was sie schaffen.
news.de: Was tun, wenn der Chef sich da nicht bewegt?
Böhme: Wer seinen Schreibtisch leer räumt, statt ihn mit unerledigten Projekten vollzuladen, hat schon viel für mehr Konzentration getan. Damit es wenig Störung von außen gibt, sollte man die Zusammenarbeit mit Kollegen gut organisieren. Zwischendurch hilft etwas Bewegung. Ich persönlich habe ein Springseil im Büro. Eine Minute genutzt, ist der Stress weg und ich kann mich wieder auf meine Arbeit konzentrieren.
news.de: Was halten Sie von Videospielen, die geistige Fitness und bessere Konzentration versprechen?
Böhme: Für die Konzentration bringen Videospiele eher wenig. Aber sie fördern die Motivation, weil sie mit Herausforderungen aufwarten und oft so gestaltet sind, dass man gern und mit Ausdauer bei der Sache ist. Wenn ein gewisses Niveau herrscht, dann können solche Spiele etwas bewirken. Wer begeistert ist, arbeitet besser. Brain Academy ist beispielsweise für Erwachsene recht gut, weil es visuelle, mathematische und viele andere Reize bietet.
Matthias Böhme ist Buchautor und trainiert für verschiedene Firmen die Soft Skills der Mitarbeiter. Dabei geht es unter anderem um Gedächtnistraining, Kommunikation, Präsentation, Selbst- und Zeitmanagement sowie um die Konzentrationssteigerung.