Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Der Ruf nach Fachkräften wird künftig lauter durch Deutschland hallen. Immer weniger Akademiker haben Lust, ihr berufliches Leben in Deutschland zu fristen. Wissenschaftler warnen davor, dass die Politik weiter unbewegt zuschaut.
Unter 30 führenden Industrienationen gehört Deutschland zu den Ländern, denen hoch qualifizierte Arbeitskräfte besonders häufig den Rücken kehren. Allein im Jahr 2001 waren es mehr als 750.000 Menschen. Dagegen sei die Zahl qualifizierter Einwanderer am geringsten, befand die Expertenkommission Forschung und Innovation in ihrem Gutachten zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands.
Die Lage sei angespannt. «Der Fachkräftemangel wird zu einer Bedrohung der Innovationskraft Deutschlands», heißt es in dem Papier. Es sei äußerst problematisch, dass besonders erfolgreiche Wissenschaftler ins Ausland gingen, weil es hierzulande an attraktiven Qualifizierungs- und Arbeitsbedingungen mangele. Wolle Deutschland die eigene Rolle im internationalen Wettbewerb ausbauen, müsse dieser Entwicklung entgegen gewirkt werden, heißt es seitens der Expertenkommission.
Bisher reagiere Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern viel zu langsam und weniger zielgerichtet. Es müsse jedoch klar sein, dass gut Qualifzierte in Zukunft noch stärker nachgefragt werden, denn Firmen würden immer mehr auf den Produktionsfaktor Wissen setzen.
Wichtig sei nun, mehr Menschen im Land zu einem Studium zu qualifizieren. Zudem sei langfristig eine Einwanderungspolitik notwendig, die Fachkräfte aus dem Ausland, insbesondere auch außerhalb der Europäischen Union, gewinne. Der 2006 erreichte Höchststand von Studienanfängern reiche nicht aus, um den Bedarf in der Wirtschaft zu decken.
Die Expertenkommission schlägt deshalb vor, die Hochschulen und außeruniversitäre Forschungeinrichtungen autonomer arbeiten zu lassen. Zudem müssten die Hochschulgesetze der Länder modernisiert, die finanziellen Mittel für die Nachwuchsförderung durch den Bund ausgebaut und die oft nur befristeten Beschäftigungen an den akademischen Bildungseinrichtungen reduziert werden.
Mit dem Konjunkturpaket II und 8,7 Milliarden Euro für die Bildung habe die Bundesregierung einen ersten, wichtigen Schritt gemacht. Das reiche jedoch nicht. Die Expertenkommission schätzt den Sanierungsbedarf vielmehr auf ein Volumen von 100 Milliarden Euro.
ruk