Die Frage ist so alt wie die Astronomie: Gibt es in den unendlichen Weiten des Universums eine zweite Erde, einen Himmelskörper mit Leben? Bislang sind die Forscher nicht fündig geworden. Nun gehen die Amerikaner die Frage mit neuem Elan an.
Das Mega-Teleskop «Kepler» der Weltraumbehörde Nasa startet morgen vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral aus ins All, um jenseits unseres Sonnensystems das «Tor zu neuen Welten» aufzustoßen. Experten sind sich zwar unsicher, ob ein «Erd-Zwilling» existiert - doch die Chancen, endlich Klarheit zu finden, waren noch nie so groß wie jetzt.
«Unsere Mission ist der erste Schritt in Richtung einer Antwort auf die Frage, die sich bereits die alten Griechen stellten», beschreibt die Nasa das Unternehmen, «gibt es andere Welten als unsere - oder sind wir allein?»
Die Aufgabe von «Kepler» - benannt nach dem Deutschen, der im 17. Jahrhundert die Gesetze der Planetenbewegungen entdeckte - sind in der Tat gigantisch: Mindestens dreieinhalb Jahre lang soll die Sonde innerhalb unserer Milchstraße rund 100.000 Sterne, die unserer Sonne ähnlich sind, ins Auge fassen. Dabei werden umkreisende Planeten abgesucht, die Ähnlichkeit mit der Erde haben könnten.
Mit von der Partie ist die stärkste Kamera, die jemals im Weltall war, eine 95 Megapixel-Digitalkamera, die das Geschehen festhalten soll. Ins All befördert wird «Kepler» von einer Delta-II-Rakete. Kostenpunkt für das Abenteuer: 550 Millionen Dollar (435 Millionen Euro).
Bisher sind zwar schon rund 350 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt worden, doch diese «Exoplaneten» haben alle einen Haken: Entweder handelt es sich Jupiter-ähnliche Gasriesen oder um felsige Planeten, die ihrer Sonne aber viel zu nahe und damit zu heiß sind. Oder es handelt sich um große Eisplaneten - in jedem Fall um Himmelskörper ohne Chance auf Leben. Nach einer «zweiten Erde» haben die Astronomen bisher vergeblich Ausschau gehalten.
Experten gehen davon aus, dass ein erdähnlicher Planet etwa ein Jahr brauchen sollte, um seine Sonne zu umrunden - dann liegt er möglicherweise in einer «bewohnbaren Zone». In so einer Zone könnte es etwa Wasser in flüssiger Form geben, was nach wie vor als Hauptvoraussetzung für Leben gilt. Die Nasa ist zuversichtlich und sie rechnet gar damit, Dutzende erdähnlicher Himmelskörper auszumachen. «Wenn wir herausfinden, dass die meisten Sterne von Erden umgeben sind, legt das nahe, dass Bedingungen für Leben in unserer Galaxie häufiger anzutreffen sind», sagt William Borucki vom Nasa-Forschungszentrum in Moffett Field (Kalifornien). «Finden wir aber nur wenige oder keine Erden deutet das hingegen darauf hin, dass wir möglicherweise alleine sind.»
car/kat