Fr., 25.05.12

Job-Rückkehr 05.03.2009 Frauen und die Extrawurst

Mit Kind und Beruf (Foto)
Kind am Arbeitsplatz: Im Notfall kann eine solche Regelung Müttern das Berufsleben erleichtern. Bild: ddp

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

Das Familienministerium will Frauen den Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtern. Doch die Rückkehr in den Job ist für viele wie ein Hürdenlauf. Über die Gründe sprach news.de mit Lebensplanungsforscherin Waltraud Cornelißen.

news.de: Warum fällt Frauen die Rückkehr in den Beruf so schwer?

Waltraud Cornelißen: Bei manchen Frauen sind die Beschäftigungsverhältnisse befristet. Bei anderen läuft die Arbeitsplatzgarantie aus. Und gerade in Ostdeutschland und auch in der aktuellen Krise ist es unsicher, ob die Betriebe noch bestehen, wenn die Frauen ihre Karriere wieder anpacken wollen.

news.de: Männern wird immer vorgeworfen, sie würden die beruflichen Erfolge ihrer Frauen nicht unterstützen. Welche Rolle spielt die Familie beim Wiedereinstieg?

Cornelißen: Meist haben sich die Kinder und Männer darauf eingestellt, dass zu Hause ständig jemand verfügbar ist. Man gewöhnt sich nur schwer daran, dass das plötzlich anders ist.

news.de: Die Gewohnheit bremst also?

Cornelißen: Nur bedingt. In Deutschland herrscht immer noch die Vorstellung, es sei das beste, wenn Mütter die ersten Lebensjahre des Kindes zu Hause bleiben. Das hat sich in den vergangenen zehn Jahren zwar relativiert, dank der Einsicht, dass sich Kinder besser entwickeln, wenn sie mit Gleichaltrigen spielen. Aber die fehlenden Betreuungsplätze, besonders in Westdeutschland bremsen wieder.

news.de: Ein Teilzeitbetreuungsplatz und ein Teilzeitjob müssten doch eigentlich machbar sein.

Cornelißen: Das glauben viele Frauen. Aber auch einen halben Betreuungsplatz muss man erst einmal bekommen. Selbst dann sind Job und Familie immer noch eine Zerreißprobe. Berufliche Anforderungen lassen sich nur schwer in die Teilzeitarbeit pressen. Und dann stößt am Arbeitsplatz oft noch übel auf, wenn Mütter Punkt 12 Uhr Feierabend machen, weil sie ihre Kinder abholen müssen.

news.de: Halten Sie ein Umdenken in Unternehmen für notwendig?

Cornelißen: Vieles würde leichter, wenn Firmen mehr Teilzeitstellen anböten. Nicht nur für Mütter, sondern auch für Väter. Das müssen nicht einmal nur halbe Stellen sein. Auch Arbeitsplätze mit etwa 30 Stunden wären vorteilhaft. Da bliebe beiden Partnern genügend Zeit, Kinder und Haushalt gemeinsam zu meistern. Flexible Arbeitszeiten, zeitweise Heimarbeit, die Kinder im Notfall auch mal ins Büro mitbringen zu dürfen und ähnliche Sonderregelungen könnten vielen Familien helfen.

news.de: Das würde bei manchen Kollegen sicherlich sauer aufstoßen.

Cornelißen: Das ist der Faktor, der vielen Frauen zu schaffen macht. Wenn sie das Gefühl haben, mit ihren Bedürfnissen akzeptiert zu werden, ist die Rückkehr unproblematisch. Wenn ihnen aber die kritischen Gesichter der Kollegen begegnen, die ausdrücken «Oh Gott, die will schon wieder 'ne Extrawurst», dann ist das belastend. In Deutschland muss noch viel passieren, bis es normal ist, Müttern mit kleinen Kindern eine gewisse Flexibilität zuzugestehen und zu ermöglichen.

news.de: Und was geschieht bis dahin?

Cornelißen: Bis dahin haben es Frauen schwer, in den Beruf zurückzukehren. Und das wird umso schwieriger, je länger sie mit dem Wiedereinstieg warten. Die Entwicklung am Arbeitsplatz bleibt nicht stehen, Anforderungen ändern sich. Doch pausierende Frauen wachsen in ihrer Qualifizierung nicht mit. Das nachzuholen, kostet viel Kraft und Zeit und macht unsicher.

news.de: Sind Frauen schlechtere Arbeitskräfte als Männer?

Cornelißen: Ob besser oder schlechter ist eine Frage der Kriterien, die man anlegt. Eltern sind stets diejenigen, die weniger flexibel sind. Dafür können sie in weniger Zeit produktiver sein, weil sie wissen, dass sie nicht einfach eine Stunde dranhängen können. Und es gibt viele Berufe, in denen es ein Vorteil ist, eigene Kinder zu haben. Beispielsweise im Kindergarten oder in der Stadtplanung und Politik. Weil man so einfach weiß, welche Bedürfnisse und Probleme es gibt.

Waltraud Cornelißen war Dozentin für Frauen- und Medienforschung an der Universität Duisburg. Nach ihrer Habitilation und einer Gastprofessur in Wien wechselte sie zum Deutschen Jugendinstitut München, an dem sie heute Leiterin der Forschungsgruppe Gender und Lebensplanung ist.

car/news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Peter Schippl
  • Kommentar 1
  • 08.11.2010 14:19
 

Interessante Ideen zum Thema Wiedereinstieg in den Beruf nach der Babypause gibt es auch in diesem Artikel: http://www.careerbuilder.de/Artikel/CB-234-Stellensuche-Teilzeitjobs-f%C3%BCr-M%C3%BCtter-Job-und-Kind-unter-einem-Hut/

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