Fr., 25.05.12

Klimawandel 03.03.2009 Auch deutsche Tier- und Pflanzenarten sind bedroht

Klimawandel verstärkt Artenschwund (Foto)
Der Biber galt vor rund 20 Jahren in Bayern als ausgestorben, konnte mittlerweile aber wieder angesiedelt werden. Bild: dpa

Der Umweltstiftung WWF zufolge stehen 1141 der 5488 bekannten Säugetierarten auf der Roten Liste bedrohter Arten. Schuld sind vor allem Raubbau, Wilderei und der Klimawandel. Auch in Deutschland verschwinden immer mehr Tier- und Pflanzenarten.

«Rund 30 Prozent unserer Pflanzen- und Tierarten sind bis zum Jahr 2100 vom Aussterben bedroht», warnt die Artenschutzreferentin des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Bayern, Christine Margraf, zum heutigen Internationalen Tag des Artenschutzes. Auswirkungen seien bereits heute zu spüren.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) kritisiert zum wiederholten Mal, dass die Politik dem Artensterben tatenlos zusehe. «Die EU-Staaten haben sich verpflichtet, bis 2010 das Artensterben zu stoppen. Die Zeit läuft bald ab und konkrete Leistungen stehen weiter aus», sagt Nabu-Präsident Olaf Tschimpke.

Einzelne Erfolge wie beim Seeadler, Fischotter, Wolf und Luchs dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lage insgesamt weiter dramatisch sei, so der Nabu. Besonders die Tier- und Pflanzenwelt der Alpen und der Moore, der Flüsse und Seen seien durch die Erwärmung und veränderte Niederschlagsmuster im Bestand bedroht, betont der BUND. Dem Naturschutzbund zufolge gelten in Deutschland mehr als 7000 Tierarten als gefährdet oder sind vom Aussterben bedroht.

Bis zum Ende des Jahrhunderts wird es in Deutschland im Durchschnitt rund 2,3 Grad Celsius wärmer werden, sagt das Klimamodell Wettreg voraus, das 2007 im Auftrag des Umweltbundesamts erstellt wurde. Vor allem im Norden Deutschlands, außerhalb des Küstenbereichs, sowie im Alpenvorland werden die Temperaturen ansteigen. An den Küsten, im zentralen Mittelgebirge und dem Osten Bayerns bleibt es am kühlsten. Für das ohnehin schon trockene norddeutsche Tiefland wird außerdem mit bis zu 50 Prozent weniger Niederschlägen gerechnet.

«Ausweichmöglichkeiten für bedrohte Arten gibt es kaum, denn viele Schutzgebiete sind voneinander isoliert. Da wird schon eine Autobahn zum unüberwindlichen Hindernis», sagt Margraf. Wichtig sei es deshalb, kleine und große Schutzgebiete mit ihren funktionierenden Biotopen effektiver zu vernetzen und die Fragmentierung der Landschaft - etwa durch extensive Landwirtschaft - aufzuhalten. «Naturschutz ist auch Klimaschutz», betont Margraf. Schließlich seien intakte Wälder und funktionierende Moore riesige CO2-Speicher.

Auch die Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) fordert mehr internationale Anstrengungen im Artenschutz. «Wir benötigen einen globalen Schutzschirm für bedrohte Arten», sagt Mitarbeiter Frank Barsch. Ein weltweites Maßnahmenpaket sei die einzige Chance, um das größte Artensterben seit dem Verschwinden der Dinosaurier noch aufhalten zu können.

«Das menschenverursachte Artensterben schreitet mit unverminderter Härte voran», sagt Barsch. So stünden 1141 der 5488 bekannten Säugetierarten auf der Roten Liste der bedrohten Arten, bei den Amphibien sei jede dritte bekannte Art bedroht. Die Hauptgründe seien durchweg vom Menschen verursacht: Klimawandel, Raubbau und Wilderei, Übernutzung und Lebensraumzerstörung.

Der heutige Internationale Tag des Artenschutzes erinnert an die Erstunterzeichnung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens am 3. März 1973. Dieses Übereinkommen begrenzt oder verbietet den internationalen Handel vom Aussterben bedrohter Tiere und Pflanzen. 175 Staaten sind ihm inzwischen beigetreten. Heute ist das vorrangige Ziel des Artenschutzes, die Tier- und Pflanzenvielfalt zu erhalten und deren natürlichen Lebensraum zu schützen.

mas/ruk
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