Freundschaft geht vor
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Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach
Artikel vom 01.03.2009Was für eine beknackte Idee war das denn: Ich, sieben lange Wochen ohne Englisch?!? Ich fühle mich wie ein emotionaler Krüppel. Ganz zu schweigen von den physischen Schäden - meine Schultern schmerzen von den vielen Strafliegestützen.
Verdient habe ich die Pause nicht, ich weiß. Dennoch ging es nicht anders: Ich war nicht nur zu Besuch bei meinem besten Freund, nein, wir mussten natürlich auch in Berlin um die Häuser ziehen. Zu viel Alkohol, zu viel Oasis – das muss als Erklärung reichen.
Mein Freund war eingeweiht – kein Englisch. Punkt, aus die Maus. Eigentlich ist er ja immer peinlich berührt, wenn wir zu viel rumprollen. Kommt nicht gut bei Frauen. Ein paar Stunden habe ich auch durchgehalten, eher standgehalten. Brav anstatt «What the f!&$!» «Was soll’n der Scheiß!» geschmettert, mein brit-prolliges «Noiiiijs!» durch ein «Schöööön!» ersetzt. Es brachte nichts.
Während ich mir dauernd auf die Lippe beißen musste, lief er zur Höchstform auf. So viel hatte ich ihn noch nicht fluchen hören. Schnell war klar: Er fühlte sich sichtlich unwohl mit der Situation, wollte mein Versagen ausgleichen. Außerdem hatte ich kein Recht, ihn in meine Aktion reinzuziehen, oder? Es war wie ein Schrei nach Hilfe, nach dem alten Frank, der ihn so sträflich allein gelassen hat. Was hätte ich denn tun sollen? Und wie soll man sich über sich selbst erheben, wenn man vor Schmerzen schon nicht mal mehr seine Arme heben kann?
Ja, ich habe versagt als Fastender, dafür aber nicht als Freund. Und so haben wir gerockt, eingekuschelt in das wohlige Gefühl einer tiefen Männerfreundschaft. Und mir wurde klar, wie sehr mein Charakter, meine Emotionalität von Sprache abhängt. Denn es sind vor allem Worte, eigentlich nur eine Handvoll davon, die als perfekter Botenstoff für meine Gefühle taugen. Ohne sie fühle ich mich emotional und menschlich kastriert. Umso besser ging es mir, als ich meine Zunge von der Leine gelassen habe. Befreiend war das, und der Cider hat die Bedenken weggespült. Da hat es mich sogar nicht mehr gestört, dass ich gesichtstechnisch zuwachse.
Am nächsten Tag hatten mich meine Vorsätze wieder. Okay, gleich nach dem Aufstehen bin ich noch einmal rückfällig geworden. «Man, put some f&$%in’ Oasis on!» Hat er dann auch gemacht – und so konnte ich meine 30 Strafliegestütze wenigstens zum Takt von Cigarrettes and Alcohol machen. Der Fasten-Alltag hatte mich wieder.
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