So., 12.02.12
Wir fasten uns ran

Zwei Tage ohne Englisch und Rasieren Schuld und Sühne

Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach

Artikel vom 26.02.2009

Ich habe ja geahnt, worauf ich mich einlasse – zumindest glaubte ich das. 49 Tage ohne Englisch und ohne Rasieren. Aber dass es so schwer ist, mein Schandmaul zu kontrollieren, übertraf meine kühnsten Erwartungen. Wenigstens haben die Kollegen Spaß - und ich zieh's durch.

Gestern war der erste Tag, und ich bin mehrfach gescheitert. Am Abend davor kam mir noch alles machbar vor – klar, ich saß mit einem Freund bei ein paar Cider in der Kneipe und durfte meinem englischsprachigen Fluchreflex noch freien Lauf lassen.

Doch dann kam der Mittwoch. Eine halbe Stunde nach Dienstbeginn fing es an. Das erste britisch ausgesprochene «Nice!» will meinem Mund entfahren – ich konnte es gerade noch zu einem «Nooooooiiiin» umformen und behaupten, «Nein» gesagt zu haben. Gehobene Augenbrauen im Zimmer. Schwein gehabt, Grenzfall. Ich muss besser aufpassen.

Die Zensur im Kopf, jetzt weiß ich, was das ist. Es strengt tierisch an, mit Spaß hat das nichts zu tun. Doch dann entgleitet es mir in einem schwachen Augenblick, ein klitzekleines, leise vor mich hingebrabbeltes «F&%$!» - eigentlich nicht der Rede wert. Wahrscheinlich war der kleine Zollfahnder im Kopf gerade mal kurz austreten. Das waren dann die ersten fünf einer langen Reihe von Liegestützen.

Richtig, habe ich noch nicht erwähnt: Fünf Liegestütze pro Verstoß. Ist nur teilweise als Strafe gedacht, eher als Konditionierung, damit ich schneller lerne. Pavlov und so. Qualität kommt eben von Qual. Dummerweise habe ich nicht mit den lieben Kollegen gerechnet. Die zweiten fünf Liegestütze fielen an, als ich einem Redakteur bei einer Übersetzung aus dem Englischen zu Hilfe geeilt bin. Und so ging es dann weiter, bis zur Mittagspause hatte ich die 30 voll.

Pünktlich um 15:30 Uhr wurde unser Zwangsvegetarier gemein. Der Fleischverzicht zeigte erste Wirkung, innerhalb eines halben Tages wurde aus einem netten Kollegen ein hinterhältiger Drecksack. «Sag mal, Kollesche, was steht denn da auf deinem T-Shirt?» Natürlich bin ich ihm auf den Leim gegangen als bekennender Smashing-Pumpkins-Fan. Gelächter unter den Umherstehenden, weitere fünf Liegestützen. Der letzte Rest Selbstachtung ließ mich zuvor noch in mein Zimmer gehen – wenigstens nicht unter den Augen des Sadisten. Das waren dann die Liegestütze 51 bis 55. Wenn das so weiter geht, übertreffe ich noch unseren Liegestützemann.

Meine letzten 10, Nummer 66 bis 75, wurden dann um 22:45 Uhr fällig – nachdem die Dusel-Bayern schon längst unter der Lissaboner Dusche standen. Ein Freund, der einzige Bayern-Fan in meinem Freundeskreis, hatte angerufen - und ich mich schon in der Begrüßung vergriffen. Der darauffolgende Fluch war natürlich auch gleich wieder auf Englisch. Ich habe dann das Gespräch abgebrochen, genug ist genug. Wie soll das weitergehen, wenn ich mal etwas getrunken habe?

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