Jahrhundertauktion bricht alle Rekorde
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Von Sabine Glaubitz
Artikel vom 25.02.2009Die Versteigerung von Yves Saint Laurents Kunstsammlung hat alle Rekorde gesprengt: Bereits am zweiten Abend waren 306 Millionen Euro in die Kasse von Pierre Bergé, dem langjährigen Lebensgefährten des 2008 gestorbenen Modeschöpfers, geflossen.
Damit ist die Sammlung mit 730 Kunstwerken und Objekten die teuerste jemals versteigerte Privatsammlung der Welt. Der Schätzwert hatte ursprünglich 300 Millionen Euro betragen. Heute Abend geht die Christie's-Auktion im Grand Palais zu Ende. Sie dürfte in die Geschichte des internationalen Kunstmarktes eingehen.
Mit 300 Losen kam es am letzten Tag der Jahrhundertauktion zu großen Verspätungen. Die Versteigerung der asiatischen Kunstobjekte - darunter auch zwei seltene chinesische Tierköpfe, auf die China Restitutionsansprüche erhoben hatte - wurde auf den Abend verschoben. Zuvor kamen überwiegend Antiquitäten, darunter herrliche Spiegel und Kommoden im Louis-Quinze-Stil, unter den Hammer. Auch die mit viel Spannung erwarteten ersten Zwischenergebnisse musste das Auktionshaus Christie's bis auf den späten Abend verschieben.
Seit dem Beginn der Auktion jagte ein Rekord den nächsten: Ein Werk von Henri Matisse kam für 35,9 Millionen Euro (einschließlich Aufpreis) unter den Hammer, ein neuer Höchstpreis für ein Werk des französischen Malers. Eine sensationelle Rekordsumme brachte auch die Holzfigur «Madame L.R» von Constantin Brancusi, die auf maximal 20 Millionen Euro geschätzt wurde und schließlich für mehr als 29,1 Millionen Euro den Besitzer wechselte. Mehr als den doppelten Schätzpreis brachte eine Farbkomposition von Piet Mondrian: Statt maximal 10 Millionen Euro wurde sie für mehr als 21,5 Millionen Euro zugeschlagen.
Schon der erste Auktionstag unter der 45 Meter hohen Glaskuppel im Grand Palais hatte mit Paukenschlägen begonnen: Denn bereits nach knapp zwei Stunden erzielten die angebotenen Werke von Henri Matisse, Marcel Duchamp, Paul Klee und James Ensor mehr als 206 Millionen Euro und übertrafen den bis dahin gültigen «Weltrekord» für eine Privatsammlung, den bisher die Kollektion Victor und Sally Ganz hielt. Sie war 1997 in New York für 206 Millionen Dollar versteigert worden.
Zur Überraschung von Christie's fand das auf 25 bis 30 Millionen Euro geschätzte Stillleben von Pablo Picasso «Musikinstrumente auf einem kleinen runden Tisch» keinen Käufer. «Ich bin glücklich, denn ich werde es behalten. Meine Versteigerung hat nicht nur eine unerwartet hohe Verkaufssumme erzielt, ich behalte obendrein einen Picasso», sagte der Geschäftsmann Bergé, der zusammen mit Yves Saint Laurent in 50 Jahren die einzigartige Sammlung aufgebaut hatte.
Der Höhepunkt gestern Abend war der von Eileen Gray entworfene Drachensessel, der für 21,9 Millionen Euro für fast mehr als das Zwanzigfache seines Schätzwertes versteigert wurde. Damit erzielte der zwischen 1917 und 1919 entstandene Art-Deco-Stuhl den zweithöchsten Preis, der jemals bei einer Auktion für ein Möbelstück erzielt wurde. Bei der Auktion mit Alten Meistern und Werken aus dem 19. Jahrhundert wurden am Dienstag 22,2 Millionen Euro umgesetzt.
In China herrschte Empörung darüber, das zwei chinesische Tierköpfe aus dem 18. Jahrhundert nun doch versteigert werden konnten. Ein Pariser Gericht hatte einen Antrag Chinas, dies zu untersagen, abgelehnt. Die chinesische Regierung beharrt auf der Rückgabe der beiden Bronzefiguren, die bei der Plünderung des Sommerpalastes 1860 in Peking durch französische und britische Truppen erbeutet worden waren. Die Auktion widerspreche dem Geist internationaler Konventionen und verletze das chinesische Volk. Der Wert der beiden Tierköpfe, ein Hase und eine Ratten, wurde auf rund 10 Millionen Euro geschätzt.
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