Die Bäckersfrau zählt nicht
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Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Artikel vom 23.02.2009Ich frage nicht gern nach dem Weg. Oder wie spät es ist. Lieber nehme ich drei falsche Abbiegungen und schätze die Uhrzeit anhand des Sonnenstandes – beides ist schlecht für Regentage. Deswegen übe ich in den nächsten sieben Wochen und spreche täglich einen fremden Menschen an.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich rede gern und viel und habe für gewöhnlich keine Scheu vor Menschen. Nur Smalltalk mag ich nicht. Und es kostet mich Überwindung, Unbeteiligte mit meinen Problemen zu belästigen. Vielleicht kennen sie den Weg gar nicht und waren gerade so schön in Gedanken? Vielleicht haben sie ihre Uhr verloren und ich reiße alte Wunden auf? Künftig werde ich wegen solcher Fragen nicht zaudern, sondern nach Antworten fahnden.
Natürlich mache ich es mir nicht leicht: Kommunikation im Internet gilt nicht, weil die Latte der sozialen Überwindung hier zu niedrig liegt. Bei Gesprächen, die nur notwendiges Übel sind, ist es genauso. Die Bäckersfrau nach den Inhaltsstoffen im Nusskuchen zu fragen, zählt also nicht – den Kunden in der Schlange hinter mir über sein Lieblingsbrötchen auszuquetschen, schon.
In der Redaktion wurde ich für mein Vorhaben schon belächelt: Eine Leichtigkeit sei das, im Gegensatz dazu, sieben Wochen lang auf Alkohol oder Schokolade zu verzichten. Dabei gleicht es eher elterlicher Bestrafung, liebgewonnene Dinge zu opfern. Passiv liefert man sich der Leidenszeit aus, immer mit sehnsüchtigem Blick auf die Wonnen an deren Ende.
Ich dagegen hoffe auf einen Quantensprung in meiner Persönlichkeitsentwicklung. Und mal ehrlich: An verregneten Sonntagen das warme Heim zu verlassen, nur um, sagen wir, über das Wetter zu sprechen, ist auch kein Zuckerschlecken.
mik
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