Frauen bekommen in der Europäischen Union deutlich weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen. Grund für die Ungleicheit, die sich besonders in Deutschland zeigt, sei die hohe Teilzeitquote bei Frauen sowie deren häufige Beschäftigung im Niedriglohnsektor, sagt die EU.
Der Unterschied zwischen dem Einkommen von Männern und Frauen liege bei 17,4 Prozent, sagte EU-Sozialkommissar Wladimir Spidla der Zeitung Die Welt. Unter den Ländern mit den größten Gehaltsunterschieden sei auch nach wie vor Deutschland. Dort bekämen Frauen durchschnittlich 23 Prozent weniger als Männer. Lediglich in Österreich, den Niederlanden, Zypern, Tschechien und Estland seien die Unterschiede noch größer.
Grund für die Ungleicheit in Deutschland ist dem Kommissar zufolge die hohe Teilzeitquote bei Frauen sowie deren häufige Beschäftigung im sogenannten Niedriglohnsektor. Europaweit arbeiteten 38 Prozent aller Frauen teilzeit. Damit liege die Quote viermal höher als bei Männern. Zudem sei die Beschäftigungsquote in Deutschland bei den Frauen besonders hoch, was sich besonders stark auf die Statistik auswirke.
Spidla kündigte an, dass sich die EU für die Verbesserung der Einkommenssituation bei Frauen einsetzen werde. Allerdings sei dem Problem nicht mit juristischen Maßnahmen allein beizukommen. Vielmehr fordert er die Länder auf, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Auch müssten die Arbeitgeber das Prinzip gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit tatsächlich anwenden. Zugleich wies Spidla darauf hin, dass Frauen vielfach «eine exzellente Ausbildung» hätten. Heutzutage werde beispielsweise von mehr Frauen ein Universitätsabschluss erworben als von Männern.
Dem Bericht zufolge verdienten laut Erhebung des Statistischen Bundesamtes von 2008 Frauen im Schnitt 14 Euro pro Stunde, Männer dagegen 18,38 Euro.
mat/seh