Extremwetterkongress

20 Milliarden Euro für den Klimaschutz

Sie schlagen nicht mehr nur Alarm, sondern fordern immer nachdrücklicher konkrete Schritte zum Schutz des Klimas: Wissenschaftler wie der Kieler Klimaforscher Mojib Latif wollen Taten sehen, wenn es um die Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes geht.

Im Vergleich zu den Kosten der Konjunkturpakete gegen die Wirtschaftskrise sei der Stopp des Klimawandels vergleichsweise billig zu haben. «20 Milliarden Euro würde der Klimaschutz in Deutschland pro Jahr kosten», sagte Professor Mojib Latif heute auf dem Extremwetterkongress in Bremerhaven. «Es dürfte kein Problem sein, diese Summe aufzubringen.»

Die Zunahme extremer Wetterereignisse wie Sturm und Starkregen oder das Abschmelzen des arktischen Meereises gehören den nach offiziellen Angaben 750 Kongress-Teilnehmern zufolge im Klimahaus Bremerhaven 8°Ost nicht zu den großen Aufregern. Eher klingt es wie selbstverständlich, wenn der Ozeanograph Rüdiger Gerdes feststellt: «Der Rückgang der Meereisbedeckung rund um den Nordpol wird in diesem Jahr wieder eine Größenordnung wie 2007 oder 2008 erreichen.»

Grund zur Entrüstung bietet dagegen die Tatsache, dass Maßnahmen zum Klimaschutz häufig noch mit dem Zwang zum Verzicht auf gewohnte Standards gleichgesetzt werden. «Die Investitionen in den Klimaschutz werden sogar dazu beitragen, unseren Wohlstand zu mehren», wettert Latif dagegen. Denn die Kosten des Klimaschutzes würden in erster Linie durch die Entwicklung neuer oder effizienterer Produkte entstehen und damit zu neuen Märkten und wirtschaftlichen Chancen beitragen.

Zu denen, die nach eigenen Angaben diesen Gedanken verinnerlicht haben, gehören die ehemaligen Ski-Stars Rosi Mittermaier und Christian Neureuther. Längst haben sie ihr Eigenheim in Garmisch-Partenkirchen mit Solarzellen bestückt, wie sie auf dem Kongress berichten. Und der sportliche Wettstreit mit dem Sohn um die schnellste Autofahrt aus der Stadt nach Hause sei einer anderen Disziplin gewichen: «Jetzt sind wir stolz auf Felix, wenn er sagt: ‹Ich habe nur 5,4 Liter verbraucht›.»

Mit der Ski-Weltmeisterschaft 2011 in Garmisch-Partenkirchen wollen die beiden ehemaligen Spitzensportler unter Beweis stellen, dass auch der vielfach gescholtene Wintersport klimafreundlich betrieben werden kann, ohne auf Kunstschnee zu verzichten. Photovoltaik-Anlagen auf möglichst vielen Häusern in Garmisch sollen die Antwort sein. «Dass beispielsweise in Tirol zehn Prozent des gesamten Energieverbrauches für die Erzeugung von Kunstschnee verbraucht werden, zeigt, wie groß das Potenzial ist», argumentiert Neureuther.

Ein Engagement wie das der Ski-Stars wünschen sich die Wissenschaftler auch von der Politik. «Die Politiker haben kein Erkenntnisproblem», kritisiert Latif. «Alles, was wir derzeit erleben, ist schon vor 20 Jahren beschrieben worden.» Das Argument ziehe nicht mehr, Klimaschutz sei nur im internationalen Zusammenspiel zu bekommen, sagt Latif. «Bei der Bekämpfung der Wirtschaftskrise arbeiten die Länder zusammen; das muss auch beim Klimaschutz möglich sein.» Schließlich ginge es in beiden Fällen um dieselbe Frage, «ob wir das Leben in Wohlstand auf der Erde garantieren können».

car/mas
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