Das Wetter lässt sich nur bedingt kontrollieren
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Von news.de-Redakteurin Mara Schneider
Artikel vom 19.02.2009Mit Wetterraketen lässt die chinesische Regierung Silberiodid in die Wolkendecke schießen, um Regen und Schnee zu erzeugen und so gegen die anhaltende Dürreperiode zu kämpfen. Klimaforscher Andreas Fink erklärt, ob solche Aktionen tatsächlich Sinn machen.
China hat zurzeit ein Wasserproblem. Zwar bilden sich über dem asiatischen Land immer wieder Wolken, aber es will einfach nicht regnen. Seit Monaten leidet die Bevölkerung unter einer extremen Dürre, die Regierung hat bereits in zahlreichen Provinzen den Notstand ausgerufen.
Ob eine Wolke Schnee oder Regen mit sich bringt, hängt in erster Linie von sogenannten Kondensations- oder Gefrierkeimen ab. In der Wolkenschicht existieren zwar Wassertropfen, deren Temperatur minus zehn bis minus 20 Grad beträgt, aber diese gefrieren nur, wenn sie mit diesen Keimen in Berührung kommen. Das können Salze wie Meersalz sein oder Staubaerosole, etwa Wüstenstaub. «Sonst schweben die Tröpfchen einfach nur so in der Luft herum, es regnet aber nicht», erklärt Andreas Fink, Dozent am Institut für Geophysik und Meteorologie der Universität zu Köln.
Um den Regen oder Schnee künstlich herbeizuführen, schießt die chinesische Regierung derzeit immer wieder Wetterraketen gen Himmel. Das darin enthaltene Silberiodid fungiert als Kondensationskeim und soll den Wolken beim Abregnen helfen.
Diese Technik zur Wettermanipulation ist seit Jahrzehnten bekannt, erklärt Fink. Schon die USA haben in den 1940er und 1950er Jahren versucht, auf diese Weise Hurrikane Hurrikanes sind tropische Wirbelstürme mit Orkanstärke, die über dem Atlantik auftreten können. Zuletzt sorgte Hurrikan Kathrina im August 2005 für große Verwüstung im Südosten der USA. In der Küstenstadt New Orleans brachen während des Wirbelsturms die Dämme, so dass der Großteil der Stadt überflutet wurde. vorzeitig abzuschwächen. Die Wirksamkeit war jedoch eingeschränkt.
Auch in China wird das Silberiodid nur «ein Tropfen auf den heißen Stein» sein. Zwar trägt es tatsächlich zur Bildung von Eiskristallen bei und löst sogar eine regelrechte Kettenreaktion aus. «Aber mit dieser Technik lässt sich nur beeinflussen, wann der Niederschlag fällt und wo er fällt. Man kann den Ort und den Zeitpunkt verändern, eine Wolke also zum Beispiel früher ausregnen lassen. Aber man kann aus einer Wetterlage, die von vornherein keinen Regen bringt, nicht plötzlich Regen zaubern», erklärt Fink.
Zumindest aber sei das Silberiodid umweltverträglich und stelle somit keine Gefahr dar. Auch der Prozess dieser Wettermanipulation an sich sei «wissenschaftlich seriös», so Fink. Es komme eben nur darauf an, was damit erreicht werden soll.
Auch in Deutschland macht man sich die Technik der Wolken-Impfung zu Nutze. Im Landkreis Rosenheim (Bayern), wo die Menschen immer wieder mit schweren Hagelstürmen zu kämpfen haben, gibt es seit 1958 eine organisierte Hagelabwehr. Damals wurde das Silberiodid von mehr aus 100 Abschussstellen aus ebenfalls mittels Raketen in die Wolken geschossen, seit 1975 erledigen dies zwei Anti-Hagel-Flugzeuge.
Ist eine Wetterlage im Anmarsch, die schwere Gewitter und Hagelstürme mit sich bringen könnte, starten die Piloten ihren Einsatz. Sie impfen die Wolken mit Silberiodid, damit diese vorzeitig abregnen und vor allem die Felder der vielen Bauern verschont bleiben.
ruk
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