Von news.de-Redakteurin Anja Guhlan
Peter Meyer meldet sich mit «Eingehängt» am Telefon. Seit 40 Jahren rockt er mit den Puhdys die Nation. Zum Bandjubiliäum sprach news.de mit ihm über die abenteuerliche Reise durch die Vergangenheit, Konzerterinnerungen und das neue Buch.
news.de: Journalisten interviewen meist ihren Bandkollegen Dieter Birr – die «Maschine». Sind Sie froh, auch einmal zu Wort zu kommen?
Peter Meyer: Zurzeit wechseln wir uns ein bisschen bei der Arbeit ab. «Maschine» macht eine ganze Menge und ich auch. Und da ich früher auch fast allein die Interviews gemacht habe – vor allem im Westen, da ist mir das alles im Moment völlig wurscht. Aber bei einem solchen Jubiläum geben wir alle gerne Interviews. Ich kann mich auch nicht beklagen, dass ich zu wenige gebe.(lacht)
news.de: Sie werden als die Dinosaurier des Ostrock bezeichnet, sind eine erfolgreiche Band der Ostalgiewelle und spielen bis zur 'Rockerrente'. Hängen Ihnen diese Etiketten nicht zum Halse heraus?
Meyer: Nein, denn jeder hat seine Wurzeln. Wir haben sie eben im Osten. Herbert Grönemeyer hat sie im Ruhrgebiet und Udo Lindenberg in Hamburg. Insofern ist das kein Problem. Und dann kommt ja auch noch hinzu, dass in den letzten Jahren Ostrockklassiker wie City oder Karat unwahrscheinlich gut laufen. Ich habe sowieso keine Probleme mit Ostalgie und Nostalgie: Ich finde es schön, wenn sich Menschen an die Vergangenheit erinnern. Wie sie sich verliebt oder wann sie sich kennen gelernt haben. Was mich ein bisschen stört bei den alten Ostrock-Bands, die noch spielen: Dass sie überhaupt nichts Neues machen. Diese Bands ruhen sich quasi auf der Ostalgie- oder Nostalgiewelle aus.
news.de: Und was ist mit 'Rockerrente'?
Meyer: Damit haben wir auch kein Problem. Das Lied ist von 1984. Schon damals fragten die Leute: „Bis wann spielt ihr?“ und da antworteten wir eben: „Es ist keine Ente, wir spielen bis zur Rockerrente.“
news.de: Mal ehrlich: Wie feiern Sie intern als Band diese vierzig Jahre?
Meyer: Wir feiern nicht extra, dazu nutzen wir die Konzerte wie das Jubiläumskonzert in Berlin oder in Leipzig, Erfurt oder auch Rostock. Aber gut, wir haben auch in Hotels zwischendurch gefeiert. Oder wir feiern, wenn unser Buch Abenteur Puhdys herauskommt.
news.de: Worum geht es in dem Buch?
Meyer: In 40 Jahren erlebt man wirkliche Abenteuer. Was wir in 20 verschiedenen Ländern so alles erlebt haben - zum Beispiel. Wir nehmen das Buch auch zum Anlass, um uns bei unseren Fans zu bedanken. 40 Jahre sind ja nicht Ohne.
news.de: Ihr seid am 19. November 1969 zum ersten Mal in Freiberg aufgetreten. Können Sie sich an diesen Tag erinnern?
Meyer: Ja. Am Ende des Jahres werden wir auch wieder in Freiberg spielen, unserer Geburtsstadt sozusagen. Es war eine Veranstaltung, da saßen die Leute noch an weißen Tischen und wir hatten um die 15 Titel im Programm. Der erste hieß Venus von Shocking Blue. Wir waren damals eine Coverband. Ich erinnere mich auch, dass wir fünf Stunden spielen sollten. Als wir dann mit den 15 Titeln fertig waren, haben wir einfach wieder von vorne angefangen. Das war sehr abenteuerlich. (lacht)
news.de: Abenteuerlich waren vielleicht auch die zwanzig Jahre in der DDR und die zwanzig Jahre in der Bundesrepublik, die Sie als Band erlebt haben: Welche Jahre brachten der Band mehr ein?
Meyer: Das Buch behandelt genau diese Jahre: Zwanzig Jahre Osten und zwanzig Jahre Westen. Natürlich sind wir als Musiker auch schon vor der Gründung der DDR im Westen aufgetreten. Deshalb hatten wir zu DDR-Zeiten bereits Erfahrungen mit dem Westen, die wir bis heute gut gebrauchen können.
news.de: Sind Ihnen denn tatsächlich Unterschiede in der DDR und der Bundesrepublik aufgefallen?
Meyer: Das Publikum ist eigentlich in der ganzen Welt gleich. Egal ob in Deutschland oder Portugal. Die Leute haben unsere Musik angenommen. Doch am Anfang war es im Westen sogar so, dass die Leute euphorischer waren als im Osten. Zu den Zeiten mussten nämlich die Leute im Osten bei den Konzerten noch sitzen. Sie durften nicht aufstehen. Der Westen hingegen hat mitgetanzt und mitgesungen. Inzwischen hat sich das angeglichen.
news.de: Sie sind jetzt 69 – geht man da nicht mit orthopädischen Einlagen auf die Bühne?
Meyer: Toi, toi, toi. Es geht bei uns. Und wenn ich sage, dass wir drei Stunden am Stück auf einer Bühne stehen, wissen Sie, glaube ich, was da runter kommt.
news.de: Ja, rockige Songs wie Eisbären oder Alt wie ein Baum. Haben Sie vielleicht nicht mal Lust, kürzer zu treten?
Meyer: Solange uns die Leute mögen und mitsingen werden wir auf der Bühne stehen. Wir werden als Puhdys gerade durch solche Lieder wie Eisbären oder Rockerrente immer erkannt, bleiben aber unserem Stil treu. Und wir werden irgendwann auch noch mit den Rolling Stones in Peking spielen. Wenn die Rolling Stones das durchhalten.(lacht)
Die Puhdys erlangten 1971 durch das Jugendfernsehen der DDR Bekanntheit. 1989 verabschiedete sich die Band mit einer Good-Bye-Tour. 1992 kam es dann zur Wiederkehr der Band, jedoch in einer etwas anderen Besetzung. Seit 1997 sind die Puhdys mit Dieter Birr (Die Maschine), Peter Meyer (Eingehängt), Peter Rasym (Bimbo), Dieter Hertrampf (Quaster) und Klaus Scharfschwerdt unterwegs.
Die Puhdys sind in all den Jahren sich treu geblieben.Kann mich noch an d.Auftritt 71 in Halle v.d.Steintor erinnern.Hab fast alle Platten in Vinyl.Meine Frau sowie mein Sohn(9)stehen auf die Puhdys.
jetzt antwortenKommentar meldenHallo, Pudhys-Freunde, vor einer halben Stunde ging ein Konzert in Kiel zu Ende. Applaus, Pfiffe vor Begeisterung, Lichter und Feuerzeuge, all das hat jeder versaümt, der nicht dort war. SUPER! "Melanie" fehlte leider. Ich hoffe, der Wunsch, mal mit den Stones zu musizieren, geht in Erfüllung. Ich wünsche allen alles erdenklich Gute und macht weiter so. Grüße aus Kiel. B.Witt
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