Wie viel Urmensch steckt in uns - und wie menschlich waren unsere Vorfahren? Diesen Fragen gehen Leipziger Forscher nach und haben nun mehr als die Hälfte des Erbguts von Neandertalern bestimmt.
Heute haben die Forscher eine erste Version des Erbguts präsentiert. Zusammen mit der US-amerikanischen Firma 454 Life Sciences hatten sie insgesamt mehr als drei Milliarden Buchstaben des Erbmaterials verschiedener Neandertaler bestimmt.
Daraus lasse sich mehr als 60 Prozent des Erbguts dieses Urmenschen erstellen, teilte das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie heute mit. «Diese Sequenzen können nun mit den bereits bestimmten Genomen von Menschen und Schimpansen vergleichen werden», sagte Hauptautor Svante Pääbo.
Mit ihren Forschungen wollen die Wissenschaftler der spannenden Frage auf die Spur kommen, ob und wie das Erbgut der Neandertaler von dem des modernen Menschen abweicht. Und: Welche genetischen Veränderungen haben zur Entwicklung des Homo sapiens geführt und ihn vor 100.000 Jahren befähigt, sich über die ganze Welt zu verbreiten?
Das Gen-Material stammt von Neandertaler-Knochen, die in Kroatien, Spanien und Russland entdeckt wurden. Außerdem steuerte das Landesmuseum in Bonn eine Probe von dem 40.000 Jahre alten Skelett bei, das 1856 im Neandertal östlich von Düsseldorf gefunden wurde und dem Neandertaler seinen Namen gab.
Die Arbeiten erfolgten unter Reinstraumbedingungen, um sicherzustellen, dass das Material nicht mit DNA heutiger Menschen vermischt wird. Die Genom-Version konnte schließlich laut Pääbo aus weniger als einem halben Gramm Knochen erzeugt werden. Das Fachmagazin Nature (Bd. 457, S. 645) hatte bereits in der vergangenen Woche kurz über die Arbeit berichtet.
Die Forscher wollen künftig verschiedene Gene untersuchen, etwa das Gen FOXP2, das «möglicherweise maßgeblich» zur Sprachfähigkeit des modernen Menschen beigetragen hat. Außerdem werden zwei andere Gene untersucht, die mit Alterung und Entwicklung des Gehirns zusammenhängen.
ped/jan