Von news.de-Redakteur Björn Menzel
In Teilen Chinas herrscht die größte Trockenheit seit einem halben Jahrhundert. Doch es liegt nicht am Klimawandel. Das erfuhr news.de im Gespräch mit Martin Geiger, Süßwasserbeauftragter der Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF).
news.de: Herr Geiger, haben Sie sich heute schon um die Dürre in China gekümmert? Schließlich hat die Regierung in 15 Provinzen den Notstand ausgerufen.
Martin Geiger: Ich habe Kollegen in China und stehe mit ihnen telefonisch in Verbindung.
news.de: Was berichten Ihre Kollegen über die aktuelle Lage in der Dürre-Region?
Geiger: Es herrscht Notstand. Betroffen sind vier Millionen Menschen und die Ernte von bis zu zehn Millionen Hektar Land. Unsere Organisation arbeitet an langfristigen Projekten zur Sicherstellung von Trinkwasser, beobachtet aber, dass die chinesische Zentralregierung aktuell schnell handelt. Immerhin sind die Ressourcen für China, gerade in der jetzigen Wirtschaftskrise, von enormer Bedeutung.
news.de: Kann sich China selbst helfen oder bedarf es ausländischer Programme?
Geiger: Das Land kann sich, besonders aus finanzieller Sicht, selbst helfen. Auch in der aktuellen Krise. Langfristige Projekte allerdings werden mit dem Verständnis und der Technik von außen unterstützt. Zum Beispiel ist eine Pipeline in Planung, die Wasser aus dem Jangtse-Fluss in Dürregebiete pumpt.
news.de: Was sagen über die Aktion der chinesischen Regierung, 3000 Geschosse mit Chemikalien in den Himmel zu schießen, um künstlich Regen zu erzeugen?
Geiger: Zu den Olympischen Spielen hat man damit versucht, Wolken vorher abregnen zu lassen. Nun versucht man, den Wolken das Wasser zu entlocken. Ich denke aber, das ist nur eine sehr kurzfristige Lösung, die auch nicht viel Wirkung verspricht.
news.de: Worin sehen Sie die Ursachen der lang anhaltenden Trockenheit?
Geiger: Ich sehe sie nicht im immer wieder diskutierten Klimawandel. Dürre und Trockenheiten kommen regelmäßig, genau wie es regelmäßig eine Jahrhundertflut gibt. Allerdings haben sich die Abhängigkeiten an Ressourcen wie Wasser in den vergangenen 50 bis 100 Jahren stark geändert. Heute gibt es in China mehr Einwohner als je zuvor, es wird immer mehr Fläche landwirtschaftlich genutzt, es gibt mehr Nutztiere. Also wird auch immer mehr Wasser gebraucht. Die negativen Auswirkungen von Dürreperioden sind damit also gestiegen.
news.de: Und wohin wird das noch führen?
Geiger: Was wir in China erleben sind die Vorboten einer globalen Wasserkrise. Wasser wird immer knapper und könnte bald zu den kostbarsten Gütern des Planeten gehören. Nicht nur in China, sondern auch global brauchen wir deshalb einen verantwortungsvolleren und effizienteren Umgang mit der Ressource.
news.de: Wann wird es denn in Chinas Trockengebieten wieder regnen?
Geiger: Ich bin leider kein Wetterprophet.
Martin Geiger ist der Leiter des Fachbereiches Süßwasser beim World Wide Fund for Nature Deutschland (WWF). Der WWF kümmert sich weltweit um Süßwasserprojekte, unter anderem um den Mekong in China.
ruk