Es soll ein Schlussstrich unter das Studienplatz-Chaos gezogen werden. Doch noch werfen sich ZVS und Hochschulen gegenseitig vor, sich zu behindern. Der Verband der Philologen in Deutschland sieht die Ursache für das Chaos eher in zu starkem Dezentralismus.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat für heute Nachmittag Hochschulvertreter und Bildungspolitiker zu einem Krisengespräch über das System der Studienzulassung in Numerus-Clausus-Fächern eingeladen.
Hintergrund ist ein monatelanger Streit zwischen Hochschulrektoren und der Dortmunder Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) über einen von den Ländern angestrebten Datenabgleich über die Bewerbungen. Nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) bleiben wegen fehlender Koordinierung bis zu 20 Prozent der Anfängerplätze in den Mangelfächern durch Doppeleinschreibungen frei. Schavan bezeichnete die Zahl als «aus der Luft gegriffen». An dem Treffen nehmen die Kultusministerkonferenz sowie Vertreter von HRK und ZVS teil.
Unterdessen hagelt es Kritik vom Deutschen Philologenverband. «Jede Universität versucht hier, das Rad neu zu erfinden», kritisierte der Verbandsvorsitzende Heinz-Peter Meidinger heute. «Was wir derzeit erleben, ist die Folge des ungeordneten Wildwuchses von verschiedensten Zulassungsverfahren, die weder zeitlich noch inhaltlich aufeinander abgestimmt sind. Das ist die Kehrseite einer übersteigerten Hochschulautonomie.»
Meidinger ist überzeugt, die Hochschulen seien mit den dezentralen Bewerbungen deutlich überfordert. Das Problem liege jedoch nicht bei der ZVS, sondern vielmehr in einem «übersteigerten Dezentralismus». Als Bewerbungen noch zentral bei der ZVS erfasst wurden, hätte die Vergabe von Studienplätzen eindeutig besser funktioniert.
ham