Fr., 25.05.12

Meilenstein in Stammzellforschung 05.02.2009 Resetknopf für Körperzellen gefunden

Erste reprogrammierte Stammzellen ohne Krebsgen (Foto)
Stammzellenentnahme durch die Nabelschnur: Reprogrammierung ist der leichtere Weg zu ethisch unbedenklichen Stammzellen. Bild: dpa

Aus Stammzellen können Herzen, Nieren, Augen werden - Hoffnung für Menschen mit Krankheiten wie Parkinson. Um die Zellen zu gewinnen, werden oft Embryonen zerstört. Eine Entdeckung deutscher Forscher könnte dieses ethische Problem lösen.

Erstmals ist es den Wissenschaftlern aus Münster gelungen, Körperzellen mit nur einem Gen in eine Art embryonale Stammzellen zurückzuverwandeln. Bisher war dies nur mit mehreren Genen, unter ihnen Krebsgene, möglich.

Mit nur einer eingeschleusten Erbanlage machte die Gruppe um Professor Hans Schöler vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin aus Nervenstammzellen ausgewachsener Mäuse sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (ipS-Zellen).

Die Mediziner setzen in solche Zellen große Hoffnungen. Die induzierten Stammzellen haben dieselben Fähigkeiten wie die begehrten embryonalen. Aus den Multitalenten lässt sich jedes Körpergewebe züchten, das möglicherweise einmal zur Behandlung von Parkinson, Herzinfarkt oder Diabetes dienen könnte.

«Wir sind jetzt quasi kurz vorm Ziel. Es arbeiten weltweit so viele Gruppen daran - wenn wir es nicht schaffen, schafft es eine andere Gruppe. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir eher brauchbare ipS-Zellen haben werden als eine entsprechende Therapie mit embryonalen Stammzellen», sagte Schöler.

Darüber hinaus besitzen die ipS-Zellen einen entscheidenden Vorteil: Da sie aus Körperzellen des Patienten gewonnen werden, haben sie alle das Patientenerbgut und werden vom Körper nicht abgestoßen. Das ist bei embryonalen Stammzellen nur über das stark umstrittene und in Deutschland verbotene therapeutische Klonen von Embryonen möglich. Weil ipS-Zellen ohne Zerstörung eines Embryos erzeugt werden, gelten sie als ethisch unbedenklich.

Anfangs mussten Forscher zur Gewinnung von ipS-Zellen noch vier Erbanlagen einschleusen, die Gene Oct4, c-Myc, Klf4 und Sox2. Klf4 und c-Myc fördern jedoch die Tumorentstehung, wenn sie künstlich in die Zelle gebracht werden. Deshalb suchten Wissenschaftler Wege, eine Reprogrammierung mit weniger eingeschleusten Genen zu erreichen. Auch Schölers Gruppe hatte ipS-Zellen zuvor bereits mit nur zwei Erbanlagen erzeugt, wobei jedoch stets eines der Krebsgene nötig war.

Bei den Nervenstammzellen der Mäuse beobachteten die Forscher, dass die Gene c-Myc, Klf4 und Sox2 darin bereits von sich aus aktiv waren. Tatsächlich genügten die Einschleusung von Oct4 und drei bis vier Wochen Geduld, um aus den Nervenstammzellen embryoähnliche ipS-Zellen zu erhalten. Oct4 ist nach Erkenntnissen der Münsteraner der zentrale Schalter, um die Lebensuhr einer Zelle auf deren Urprung zurückzudrehen.

Dennoch wird die in Deutschland umstrittene Forschung an embryonalen Stammzellen für Schöler mit seiner Entdeckung nicht überflüssig. «Nur weil wir wussten, was eine embryonale Stammzelle ausmacht, konnten wir adulte Stammzellen in embryonale umwandeln. Wenn Sie ein Auge zuhalten, dürfen Sie nicht erwarten, dreidimensional zu sehen.»

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