Von Jutta Schütz
Der Ost-Berliner Chris Gueffroy wollte Amerika sehen. Und er wollte nicht zum Militärdienst in der Volksarmee. Bei einem Fluchtversuch im Februar 1989 starb der 20-jährige Kellner im Kugelhagel von DDR-Grenzposten - wenige Monate vor dem Fall der Mauer.
Der junge Mann war das letzte Maueropfer. Zur Andacht in der Berliner Kapelle der Versöhnung kam zum 20. Todestag auch seine Mutter Karin Gueffroy. In der Kapelle im früheren Todesstreifen in der Bernauer Straße entzündete sie eine Kerze für ihren getöteten Sohn. Sie rang um Fassung. Die Trauer ist nicht verblasst.
Die Mauer habe mitten ins Herz von Berlin geschnitten, sagt Rainer Just von der Versöhnungsgemeinde. Die Kirche der Gemeinde war 1985 auf Geheiß der DDR-Oberen gesprengt worden, weil sie durch den Mauerbau in den Grenzanlagen stand und die Sicht störte. Nach dem Mauerfall wurde aus den zerstörten Resten die Kapelle der Versöhnung errichtet.
Mindestens 136 Menschen wurden nach einer Studie des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer getötet oder kamen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben. Über die Zahl der Maueropfer gibt es seit Jahren unterschiedliche Angaben. Das Institut hat für seine Nachforschungen auch Akten von Mauerschützenprozessen ausgewertet und Zeitzeugen befragt.
Nach dem Tod von Chris Gueffroy gab es 1989 nach Angaben des Zentrums noch ein weiteres Opfer im Zusammenhang mit der Mauer. Am 8. März stürzte der 32-jährige Winfried Freudenberg mit einem selbst gebauten Ballon in Berlin-Zehlendorf ab, nachdem er bereits die DDR-Grenze überwunden hatte.
Gueffroy wollte zusammen mit einem Freund flüchten. Die beiden hatten gehört, dass der Schießbefehl ausgesetzt sei. Gegen 22.30 Uhr erreichen sie im Schutz der Dunkelheit am 5. Februar 1989 die Kleingartenkolonie «Harmonie» im Ost-Stadtbezirk Treptow. Gegen 23.30 Uhr nähern sie sich den Sperranlagen vor dem Britzer Zweigkanal, der Grenze zu Neukölln in West-Berlin. Mit Wurfankern überwinden sie die mehr als drei Meter hohe Hinterlandmauer, doch dann lösen sie die Alarmanlagen aus - nur noch ein zwei Meter hoher Streckmetallzaun trennt die Flüchtlinge vom Westen.
Mehr als 20 Schüsse peitschen durch die Nacht. Gueffroy wird ins Herz getroffen. Seine in der Nähe wohnende Mutter habe die Schüsse gehört, sagen die Historiker des Potsdamer Zentrums. Sie wollen das Schicksal der Mauertoten vor dem Vergessen bewahren und haben dafür auch akribisch geführte Stasi-Akten ausgewertet. Gueffroys Freund wurde schwer verletzt und später zu einer Haftstrafe verurteilt. Im Oktober 1989 kaufte ihn die Bundesrepublik frei. Der Soldat, der Gueffroy erschoss, wurde nach der Wende zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
mik/ruk
Um so beschämender ist es, wenn hier eine Sehratärin für Agitation und Propaganda der DDR , Bundeskanzlerin ist.
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