Von news.de-Redakteur Björn Menzel
Er ist der «Schlächter von Mauthausen» und lebte als meistgesuchter Nazi-Verbrecher in Ägypten: Aribert Heim. Laut ZDF-Recherchen ist er seit 1992 tot. Augenzeugen und Dokumente belegen, dass er an Krebs starb. Doch es gibt auch Zweifel.
Fast 30 Jahre hat «Dr. Tod» in Kairo gelebt. Versteckt vor deutschen Ermittlern und internationalen Behörden. Der ehemalige KZ-Arzt konvertierte zur Tarnung sogar zum Islam und lebte unter dem Namen Tarek Farid Hussein. Jetzt gibt es neue Erkentnisse über sein Verbleiben: Er starb am 10. August 1992 an Enddarmkrebs. Das haben gemeinsame Recherchen von ZDF und der New York Times ergeben.
Das ZDF will heute um 21 Uhr eine Reportage über die detektivische Heim-Suche unter dem Titel Most Wanted Nazi ausstrahlen. Dem Sender liegt nach eigenen Angaben zusammen mit der New York Times eine Aktentasche mit mehreren hundert Dokumenten vor. Darunter sollen sich auch ein ägyptischer Reisepass, Anträge auf Aufenthaltsgenehmigungen sowie persönliche Briefe befinden. Damit lässt sich laut ZDF einwandfrei nachweisen, dass Heim und der gesuchte Nazi-Verbrecher ein und die selbe Person sind.
Zahlreichen Zeugen sollen die Recherchen bestätigt haben. Unter ihnen der Sohn, Rüdiger Heim, der zurzeit in Baden Baden lebt. «Ja, mein Vater hat in Kairo gelebt», sagt er im ZDF-Interview. Er habe ihn in den Siebziger Jahren erstmals in der ägyptischen Hauptstadt besucht und ihn später während der Krebserkrankung auch mehrere Monate gepflegt. Weder eine Chemo- noch eine Strahlentherapie habe seinen Vater heilen können. Einen Tag nach dem Ende der Olympischen Spiele sei er am 10. August eingeschlafen.
Außerdem meldet der Sender, dass es ihm gelungen ist, eine beglaubigte Zweitschrift der Sterbeurkunde Heims zu bekommen. Das ZDF meldet, dass das Landeskriminalamt Baden-Württemberg die Rechercheergebnisse bestätigt. Bisher gingen die Behörden davon aus, dass der Nazi-Verbrecher noch am Leben ist und sich in Südamerika aufhält.
Laut der Nachrichtenagentur dpa zweifelt allerdings der Leiter des Simon-Wiesenthal-ZentrumsDas Simon-Wiesenthal-Zentrum ist mit der Suche nach untergetauchten Nazi-Verbrechern bekanntgeworden. Die 1977 gegründete Einrichtung mit Hauptsitz in Los Angeles bemüht sich aber auch um die Förderung von Toleranz und kämpft in aller Welt gegen Rassismus, Antisemitismus, Terrorismus und Völkermord. Simon Wiesenthal spürte nach dem zweiten Weltkrieg viele Personen auf, die an Verbrechen während des Nationalsozialismus beteiligt waren. in Jerusalem, Ephraim Zuroff, die Berichte über den angeblichen Tod des NS-Kriegsverbrechers Aribert Heim an. «Wir haben kein Grab, wir haben keine Leiche, wir haben keine DNA», sagte Zuroff heute in Jerusalem. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum führt den Verbrecher ganz oben auf seiner Suchliste.
Der gebürtige Österreicher Heim soll 1941 als SS-Arzt im Konzentrationslager Mauthausen zahlreiche, vor allem jüdische Gefangene ermordet haben. Außerdem soll er an betäubten Patienten medizinische Experimente durchgeführt haben, ihnen willkürlich Organe entnommen und sie durch Benzininjektionen ins Herz getötet haben. Das KZ-Operationsbuch belegt, dass der Arzt für 244 Operationen verantwortlich war. Dennoch war Heim nach dem Zweiten Weltkrieg als «Mitläufer» entnazifiziert worden und hatte in Baden-Baden eine Frauenarztpraxis eröffnet. Erst 1962 wurde gegen ihn Haftbefehl erlassen.
jan